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Bachern-Sagen : Volksüberlieferungen aus der alten Untersteiermark
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DER HÖHENWEG

Wer diese Landschaft kennenlernen will, der muß sie erwandern. DieWege am Bachern sind zumeist lang, und wir wollen den längsten wählen,der uns in einem zwei Tage währenden Fußmarsch über den Höhenrückenführt, das heißt, es ist im Grunde eine Kette mehr oder minder fahrbarerWaldwege und-straßen, die an den Rennsteig des Thüringerwaldeserinnert.

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Der Draudurchbruch, seit altersher ein Tor der Ostalpen, rückte mitseiner Verkehrsstraße den anliegenden Teil des Bacherngebirges in denBereich alter Kulturströmungen. So fanden sich ringsum am Fuße des Ge-birges Spuren früher Siedlungen, die bis in die jüngere Steinzeit zurück-reichen. Doch auch die Hänge des Bachern lieferten manche Zeugnisse eineralten Bewohnerschaft, die sich namentlich an der Ostflanke zu beiden Seitendes Höhenweges verdichten. Hier begegnen wir, von Osten bei Rotwein undRoßwein ausgehend, an der 15 km langen Strecke bis zur Lobnitz mehreren,größtenteils unerforschten Tumuligruppen, deren letzte auf dem Gomila-rücken( Gomila Grabhügel) nördlich des Bachern liegt. Die beiden hiererrichteten Kirchen könnten auf dem Boden vorchristlicher Kultstättenstehen. Die weitverbreiteten Überlieferungen von der Römerstraße mögenalso wohl ihre historische Begründung haben. Ihnen zufolge verlief sie aufdem heutigen Höhenweg. Den Sagenberichten nach mündeten sechs heutenoch der Richtung nach befahrbare Seitenstraßen in sie ein, die im Nordenvon Lembach und Maria Rast, im Süden zweifach von Pulsgau und weiternördlich von Gonobitz und Weitenstein ihren Ausgang nehmen 22). ZurRömerzeit kann es sich aber bestenfalls um einen Saumpfad gehandelthaben, denn erst die anhaltende Bearbeitung des Waldes, die mit ihrenAnfängen bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, vor allem aber die Zeit derEisen- und Glashütten und der Kohlengewinnung, haben richtige Fahrwegegeschaffen.

Wir beginnen den Aufstieg beim Schloß Windenau, an dessen Umgebungeine beträchtliche Zahl von Sagen haften 23), ebenso wie an der Habakuk-ebene mit ihren Hügelgräbern, die wir in etwa zwanzig Minuten erreichen.Schon nimmt uns der Hochwald gefangen. Die Schuhe bedecken sich miteinem feinen, rötlichen Staub, der eigenartigen Farbe des Bachernbodens.

Eine Viertelstunde später stehen wir auf über 500 m Höhe im Ringwallder Poschtela. Diese Wallburg von etwa 1000 m Umfang war von etwa500 v. Chr. bis in die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts bewohnt

22) Nach den Gewährsleuten Bukownik, Hleb, Irgolitsch, Jelen, Mlaker, Per-schonig, Wornig und Ziringer_( siehe unten S. 73). Einige dieser Routen erwähntA. Muchar, Geschichte des Herzogtums Steiermark. 1844, S. 74. Vgl. auch die inAnm. 13 angeführte Literatur.

23) Vgl. die Sage Nr. 77.

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