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Bachern-Sagen : Volksüberlieferungen aus der alten Untersteiermark
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DIE SAGEN

I. Von Gespenstern, Tod und Wiedergängern

1. Im Geisterwaldes

Die Leute am Bachern kennen eine ganze Reihe von Orten, die ihnenunheimlich und gespenstisch vorkommen. Es schreckt dort!" sagen sie.Oft weiß man wenig Genaues, oft aber haftet einer Gegend auch einganzer Kreis von Sagen an. Wir nennen hier nur die Gegend von Winden-au, die Habakukebene, die Poschtela, die Hochmoorseen im Westen, auchStarigrad und die ganze Länge des Höhenweges gehören dazu. bod is

So kommt es den Leuten auch im Ulotschek, dem großen Wald westlichvon Schleinitz nicht geheuer vor. Wenn der Wind dort geht, heißt es,neigen sich die Bäume unter schauerlichem Getöse bis zur Erde.

Eines Tages begegnete dem Bauern Pungartnik vom Wald her kom-mend eine alte Wab'n, die ihm merkwürdig vorkam. Sie hatte bloẞe, roteFüße, der Saum ihres Kleides war angesetzt, ihre Hände aber waren un-sichtbar. An Größe kam sie ihm gleich, und der Pungartnik war geradegroß genug. Er blieb stehen und fragte sie, ob sie viel Schwämme gefundenhabe. Sie antwortete nicht und so gingen beide in entgegengesetzter Rich-tung weiter. Kurz darauf stutzte der Bauer: wieder begegnete ihm dieWab'n, unverkennbar dieselbe. Diesmal bot er ihr seine Begleitung an,aber sie antwortete wieder nicht und ging weiter. Eines anderen Sonn-tags, morgens um fünf, begegnete dem Bauern an derselben Stelle wiederumzweimal hintereinander die Frau, diesmal aber schwarz gekleidet wie einPfarrer. Sie fragte: Führt jemand Holz aus dem Graben?"

Anderen Leuten, die auch durch den Ulotschek gingen, ist ähnlichesbegegnet. Nur eine Bäuerin, die am Waldrand wohnte und täglich durchden Wald ging hatte nichts davon bemerkt.

2. Der Aufhocker

In einer Mondnacht kehrten einst gegen Mitternacht die beiden BrüderKomauer aus Schleinitz in fröhlicher Stimmung heim. Als sie beim Feuer-wehrhäuschen vorbeikamen, in dessen Umgebung es nie so recht geheuergewesen sein soll, hörten sie dreimal hintereinander ein unheimliches Tuten,als bliese einer, wie es früher im Bachern der Brauch gewesen war, einAlphorn. Gleich darauf tutete es noch einmal und ein schwarzes Tier spranghinter dem Häuschen hervor, so groß etwa wie ein zweijähriges Fohlen.Mit großen Sätzen kam es auf die Brüder zu. Die liefen, was sie konnten,das Tier aber holte sie bald ein und warf sich auf einen der beiden. Demwar es, als senke sich eine schwere Wolke auf ihn, die ihn zu Bodendrückte. Damit verschwand das Untier. Die Brüder gingen nach Hause,konnten den Schreck aber nicht so bald vergessen.

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