90. Warum es nie in einen Gaberbaum einschlägt
Als die Muttergottes einst mit dem Jesukindlein am Arm über denBachern ging, zog ein schweres Gewitter auf. Da flüchtete Maria untereinen Gaberbaum, und der schützte sie vor Blitz und Regen. Als das Ge-witter sich verzogen hatte, sagte die Muttergottes:„ Zum ewigen Gedenkenan unseren Schutz möge Gottvater die Gaberbäume fortan vom Blitzschlagbewahren!" Der Herrgott hat ihr diesen Wunsch seither erfüllt.
91. Die Erschaffung der Schwämme
Einst gingen Christus und Petrus über den Bachern. Petrus hatte dieGewohnheit, immerzu auf den Boden zu spucken, was dem Herrn miẞfiel.Er solle das Ausspucken sein lassen, sagte er dem Petrus. Der aber er-widerte, Christus würde wohl auch spucken, wenn es ihn ankäme. Dochda sprach der Herr:„ Damit hat es seine Bewandtnis. Wo ich auf die Erdespucke, wachsen fortan die Schwämme."
lod x 92. Die Marienstatue von Hausampacher bab
Südlich von Marburg liegt das Schloß Hausampacher breit und behäbigauf einer niederen Kuppe des Kötscher Bachern. Schon 1146 wird es ur-kundlich genannt. In seiner östlichen Umgebung breiten sich nasse Wiesenund Waldreste aus, in denen viele hallstättische Hügelgräber liegen. Wieder-holt wurden dort nachts hüpfende Lichtlein, Irrlichter, gesehen und einmalschoß eine Flamme haushoch himmelwärts. Ungeheure Schätze gibt es dortund Kreuzwege in großer Zahl.
Eine der schönsten Überlieferungen der Steiermark ist aber die Le-gende, die das Marienschnitzwerk zum Gegenstande hat, das sich heute aufeiner Konsole am sogenannten Teufelskreuze befindet. Das Kreuz säumtdie Allee, die Kötschch mit d dem Schlosse verbindet. Die Legende wird hierfolgend mitgeteilt.
Irgendwo zwischen Kötsch und dem Schlosse war einst ein aufgelas-sener Exerzierplatz, der als Weide diente. Hier hielt ein Hirtenbub tagein,tagaus das ihm anvertraute Vieh. oradasflo asb nioldatud ash us
Der Junge war einsam aufgewachsen und konnte weder lesen nochschreiben. Religion, ja selbst die Zeitbegriffe, wie vom Monat und demJahre, waren ihm völlig unbekannt. Nie war er über die Grenze seinerWeide hinausgekommen. Schon oft hatte er die Kirchturmglocken läuten ge-hört. Ebenso auch heute. Und als eben wieder eine Anzahl Landvolkes überdie Weide ging, nahm sich der Bub ein Herz und fragte einen der Vorüber-gehenden, was denn das zu bedeuten habe. Darauf der Angesprochene er-staunt erwiderte: ,, Ja kennst denn du das Läuten nicht? Heut ist doch Sonn-tag, da rufen uns die Glocken zur Kirche nach Kötsch."
Eine Woche war vergangen. Oft und oft hatte der Hirtenjunge überdas Gehörte nachgedacht und immer reger wurde in ihm der Wunsch, ein-mal dem Glockengeläute nachzugehen. Und so schloß er sich einer Gruppevon Landleuten an, die in vollem Sonntagsstaat eben wieder vorüber-schritten. Aber niemand wollte den zerlumpt gekleideten Jungen mit sichnehmen. Und so trottete er denn als letzter hinterdřein, trat in die Kircheein und sah sich mit großen Augen und hungrigem Verstande im Innerenum. In einem Seitenaltare fesselte ihn die Statue der Muttergottes von
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