Der Fuhrmann riß seine Pferde herum und ritt, so rasch er nur konnte,nach Roßwein. Zwei Tage darauf aber, zur selben Stunde, da die schwarzeGestalt im Schatten des Gasthauses verschwunden war, starb der Spitzwirt.So hatte wohl der Fuhrmann aus Roßwein in jener Nacht den Tod zumBegleiter gehabt.
10. Das Mädchen Tod
Frau Graschitz aus Rotwein, der ich viele schöne Sagen verdanke.erzählte:
,, Ich war damals im Jahre 1856, als sich die Geschichte zutrug, noch einKind und hütete auf der Wiese, die Sie dort bei der Schule sehen, unsereSchweine. Es war vier Uhr nachmittags, da kam ein schneeweiß gekleidetesMädchen, das ein schönes Gesicht hatte, auf mich zu. Dieses Mädchen mußgleich alt gewesen sein wie ich und war auch so groß wie ich. Es klagte, daßihm kalt sei und bat mich um ein Tuch zum Umhängen. Ich konnte ihm abermein Tuch nicht geben ,, denn', sagte ich ,, wenn ich ohne Tuch heimkomme,krieg ich von der Mutter Schläge! Das sah das Kind auch ein., Dann kannstdu mir freilich nicht helfen', sagte es., Komm aber morgen früh wieder hie-her, da wird dir meine Mutter etwas geben, und das wird dein Glück sein.Und noch einmal sagte es: Komm nur, komm, du wirst glücklich werden.Wenn du aber nicht hieher kommen willst, so gehe zum slowenischen Kal-varienberg. Meine Mutter wird dich schon von weitem sehen und dir ent-gegenkommen. Da fragte ich:, Sag mir doch, wo du zu Hause bist?" DasMädchen antwortete:, Ich bin nirgends zu Hause. Ich muß heute noch nachRotwein gehen, denn dort warten viele auf mich. Dann ging das Mädchenlangsam fort.
Ich erzählte zu Hause von dem Mädchen, und alle meinten, daß es danicht ganz mit dem Rechten zugegangen wäre. Ich ging auch am nächstenTag nicht auf die Wiese, auch nicht zum Kalvarienberg.
Ich muß auch noch sagen, daß an demselben Tag, an dem mir das Mäd-chen begegnet war, zur selben Stunde eine Frau in Rotwein und drei Leutein Roßwein gestorben sind. Das Mädchen war also wohl der Tod! Trotzdemdenke ich oft und oft: Warum bin ich damals nicht hingegangen? Mir wolltedas Mädchen bestimmt nichts Böses tun und wer weiß, wie es heute um michstünde? Vielleicht hätte ich damals mein Glück gemacht und müßte mich aufmeine alten Tage nicht so plagen. Hab ja fünfzehn Kinder!"
11. Die tote Mutter
In Pickerndorf war im Jahre 1895 die Frau eines Bauern gestorben undhatte ihm fünf Kinder hinterlassen; das jüngste war erst sechs Wochen alt.Die Tote war längst begraben, kam aber Nacht für Nacht zu ihren Kindern,wusch und kämmte sie und stillte das Kleinste. Der Vater bemerkte nichtsdavon, und als die Kinder es ihm erzählten, kam es ihm nicht recht geheuervor. Er ging zum Pfarrer in Lembach und fragte ihn, was da zu tun sei.Der Pfarrer gab ihm den Rat, sich nachts in die Tür zu stellen und denSchatten, der etwa ins Zimmer dringen wolle, festzuhalten und nicht ein-zulassen.
So geschah es. Der Bauer stand mutig auf Vorpaß. Die Frau kam wiederund wollte wie ein Schatten an ihm vorbeischleichen. Da griff er beherzt zu.Die Tote aber wehrte sich, er mußte ringen mit ihr, daß sie nicht wieder
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