Die Geltung der heutigen Leistungen soll vor diesem größeren Hintergrundgemessen werden, ohne deshalb die eigene Stellung im Vordergrund sichselber zu beeinträchtigen oder auch beeinträchtigen zu lassen. In diesemSinn haben wir also begonnen, nach einer gewissen Festigung der Forschungim Lande besonders für unsere Grenzgebiete zu sorgen und mit den näch-sten Nachbarn in Kontakt zu treten. In der Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde konnten wir es sehr bald versuchen, die entsprechende Literaturheranzuziehen, der Besprechungsteil unserer Zeitschrift ist dadurch zu einemwichtigen wissenschaftlichen Vermittlungsorgan geworden. Ich danke es ins-besondere den slawistisch geschulten Mitarbeitern der Zeitschrift, vor allemalso Leopold Kretzenbacher und Adolf Mais, daß sie diese Aufgabeauf sich genommen haben. Mit größeren Mitteln hätte auf diesem Gebietlängst mehr geleistet werden können, ein deutschsprachiges Organ der„ Ost-Folklore" wäre eine österreichische Aufgabe. Aber wir wollen einstweilentun, was wir eben zu tun vermögen.
Inzwischen haben, seit 1952, die selbständigen„ Veröffentlichungen" desMuseums eingesetzt, die ich für alle Arbeits- und Interessenbereiche destraditionsreichen Hauses gegründet habe. Da war die Bearbeitung vonProblemen und Stoffen aller unserer Grenz- und Nachbargebiete von vorn-herein mitbeabsichtigt. So konnte denn gleich der zweite Band dem Burgen-land gewidmet werden ³), jenem österreichischen Grenzland gegen Ungarn,das dauernd vor eine ganz gewaltige Zahl von Aufgaben stellt, und für daseinfach vordem viel zu wenig getan worden ist. Wir müssen hier für Jahr-zehnte aufholen. Aber wir tun es auch, und jener Band, der die Tagungs-Vorträge von 1951 veröffentlichte, hat einen deutlichen Markstein auf diesemWeg des Aufholens gesetzt. Nun ist wohl die Zeit dafür gekommen, zu denArbeiten innerhalb des Landes auch das Gespräch über die Grenze hin auf-zunehmen. Zunächst sicherlich ein schwieriges Unterfangen, weil auch das„ Ostburgenland", das widernatürlich von Österreich getrennte westunga-rische Gebiet, seine schmerzhaften Volksprobleme aufzuweisen hat 4). Dar-über hinaus muß aber auch das Gespräch mit dem eigentlichen Ungarn auf-genommen werden, vor allem mit der ungarischen Volkskunde, wie sie inBudapest rührig und zielstrebig betrieben wird 5). Die Wege der öster-reichischen Volkskunde und die der ungarischen Ethnographie verlaufennicht immer parallel, es gibt da manche bedeutende Unterschiede. Aber einegewisse stoffbedingte Zusammenarbeit ist notwendig, und ich habe von derErfassung der burgenländischen Sachkultur aus auch dementsprechend aufdie vielfach vorbildliche ungarische Erforschung dieses Gebietes hingewiesen,was zur Anbahnung weiterer Gespräche nützlich sein mag 6). Nördlich derDonau haben wir auf die Dauer doch mit Tschechen, Mährern und Slowakenzusammenzuarbeiten. Die in den letzten Jahren vielfach geschädigten Land-
3) Burgenländische Beiträge zur Volkskunde. Die Vorträge der 6. Öster-reichischen Volkskundetagung in Eisenstadt 1951. Herausgegeben von LeopoldSchmidt(= Veröffentlichungen Bd. II). Wien 1953.
4) Castilianus, Das ,, andere Südtirol". Der Ruf der Ostburgenländer( DieFurche, Nr. 8, vom 18. Februar 1956, S. 3).
5) Vgl. jetzt Gyula Ortutay, The Science of Folklore in Hungary betweenthe two World- Wars and during the Period subsequent to the Liberation( ActaEthnographica Academiae Scientiarum Hungaricae, Bd. IV, Budapest 1955. S. 1 ff.).
6) Leopold Schmidt, Burgenländische Volkskunde 1951-1955. Bericht überein halbes Jahrzehnt Sammlung und Forschung(= Wissenschaftliche Arbeiten ausdem Burgenland, Heft 12). Eisenstadt 1956.
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