schon weit vom eigentlichen Kontext entfernt hat, drücken andere Teile nochden ursprünglichsten und wesentlichsten Teil der Brauchhandlung aus: dieeschatologische Auferstehungshoffnung( solche Lazarusmumien wurdenschon bei den Katakombenfeiern herumgereicht), die Lazarus als Präfigura-tionsfigur des christlich- orthodoxen Ostens darstellt, aber auch Lebenshoff-nung allgemein; denn die spezielle Stellung des Lazarusfestes im Jahreslauf-brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag brauchtum integriert es in die allgemeinere Sinndimension des Frühlingsab-schnittes, das Wiederaufleben der Vegetation. Schon Chrysostomos hatte ineiner seiner Homilien auf Lazarus diesen Zusammenhang hergestellt234.Lazarus ist Vorläufer der christlichen Auferstehung, aber auch heidnischer Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischerVegetationsheros 235
Mit dem sinnlosen Geplapper der Kleinkinder schließt sich der phänotypi-sche Kreis der verbalen( und der hier nicht berücksichtigten musikalischen)Manifestationen im Brauchkontext des Lazarusumganges zu Ehren und zurErinnerung an den amicus Christi, dessen Überwindung des Todes symbo-lisch vorausweist auf das größte der orthodoxen Kirchenfeste, das dieBesiegung des Todes für alle Menschen feiert. Zugleich ist es auch einBlumenfest, ein Fest des Frühlings und des Lebens, wie eben Ostern auch,wo im Blumenschmuck über dem Epitaph- Grab Christi sich christlicheAuferstehungshoffnung und pagane Frühlingsfreude vereinen. Dem Klage-lied Marias ist in der Gewißheit der Überwindung des Todes die tragischeSpitze schon genommen. Nach des Lazarus persönlichem Befinden und derTragik seines zweiten Lebens fragt erst die Hochliteratur der Neuzeit.
234,, In unserer vorhergehenden Rede, ihr Lieben, flochten wir dem blütenreichen FrühlingRuhmeskränze, und die Jahreszeit malten wir mit Worten wie auf ein Bild, zeigten nichtnur, wie Bäume blühen und Wiesen sprießen und laue Winde die Natur rasch wiederbele-ben, sondern wir zeigten auch, wie unsere Natur( die Menschennatur) in dieser Zeit dieSymbole der Auferstehung wahrnimmt, und nach einem Thema in dieser Zeit suchend,bezogen wir uns auf den wiederbelebten Lazarus"( Ιωάννου του Χρυσοστόμου έργα.Bd. 1-4. Athen 1967-69, Bd. IV, S. 321, deutsch in Puchner, Studien, op. cit., S. 21).235 Vgl. Puchner, Studien, op. cit., S. 47ff.
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