tationen freilich improvisiert. So gibt es neben den stehenden Topoi undFormeln Threnoskategorien, die z.T. sozialen Rollenkriterien folgen: etwaauf junge und unverheiratete Leute, auf den einzigen Sohn, das Ehepaar, dasauseinandergerissen wird, auf plötzlich Verstorbene, auf Emigrierte, aufErtrunkene, Eltern, Greise, Priester, und Threnoskategorien, die mehr okka-sionelle Kriterien widerspiegeln: etwa auf eine Reihe von Sterbefällen ineiner Familie, auf die Mutterliebe für das verstorbene Kind, die brüderlicheLiebe, auf Waisenkinder, Witwentum, Anklagen gegen Gott und die Heili-gen, Preisung der körperlichen Vorzüge des Toten, Heraufrufen des Toten,sowie Lieder an Gedenktagen88. Zuletzt sei noch festgehalten, daß im Kar-neval auch vielfach Threnosparodien abgesungen werden⁹9.
Die Totenlamentationen werden in der griechischen Tradition flankiert voneiner Liedkategorie, die man traditionellerweise ,, Lieder auf Charos und dieUnterwelt" nennt⁹0, und die den mythologischen und volkseschatologischenRahmen der moirologia abgeben, z.T. auch als solche verwendet werden.Die Relation der Lebenden zu den Toten ist durch Nostalgie nach Kommu-nikation gekennzeichnet"; diese Kommunikation ist religiös, volksreligiösund metaphysisch institutionalisiert durch die Trauerperiode 22, die Gedenk-tage und Gedenkmessen( nach 3, 9 und 40 Tagen, nach 3, 6 und 9 Monaten,nach einem Jahr), wo die Totenspeise kollyba( ähnlich den antiken perideipna)angeboten wird⁹³, sowie die ,, Seelensamstage"( psychosabbata) und Seelen-zeiten in den Zwölften, der Vorfastenzeit und zwischen Ostern und Pfing-sten94. Soweit der Normalfall des rituell geregelten Übergangs vom Lebenzum Tod. Die Relation von Lebenden und Toten basiert allerdings aufRechtsgrundsätzen, deren Nichteinhaltung zusätzliche, ungewöhnliche, ja,, wunderbare" Kommunikationswege eröffnen kann. Der überraschendeEingriff der Toten ins Reich der Lebenden, aufgrund der sozialen undfamiliären Verpflichtung, einen nicht eingehaltenen Rechtszustand wieder-herzustellen, gehört zu den beliebten und berühmten Balladenthemen: so etwa
, Lazarus redivivus'. Jahrbuch für Volksliedforschung 24( 1979) S. 81- 126, bes. S. 111ff.88 Dazu ausführlich Anagnostopulos, op. cit., S. 173-205.
89 Zu den griechischen Begräbnisparodien Puchner, Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen, op. cit., In-dex ,, Scheinbegräbnis“.
90 I. Deter- Grohmann, Das neugriechische Volkslied. München 1968, S. 69-77. Aus denSammlungen sei hier bloß N. Politis, Εκλογαί από τα τραγούδια του ελληνικού λαού.Athen 1914, Nr. 207-222 angeführt.
91 Dazu speziell A. Caraveli- Chaves, Bridge between Worlds. The Greek Women's Lamentas Communicative Event. Journal of American Folklore 93( 638)( 1980) S. 129- 157.92 Anagnostopulos, op. cit., S. 215ff.( mit einer Fülle von Nachweisen).
93 Alexiou, op. cit., S. 45ff.; L. Petit, Le grande controvers des colybes. Échos d'Orient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient 2( 1898) S. 321-331; N. Turchi, Kóλλvẞo ε Пεрíбεɩлvov. Studi Byzantini e Neoellenici6( 1930) S. 244ff. Ag. Nektarios, Μελέτη περί της αθανασίας, της ψυχής και τωνv. Thessaloniki 1973; W. Puchner, Zum Nachleben des Rosalienfestes
auf der Balkanhalbinsel. Südost- Forschungen 46( 1987) S. 197-278, bes. S. 236ff.94 Zum Rosalien- Komplex siehe P. Lekatsas, Η ψυχή. Η ιδέα της ψυχής και της αθαvaσías τ кαι tα éечα τov еavátov. Athen 1957, S. 413-420; J. Toynbee, Deathand Burial in the Roman World. London 1971, S. 64. Weitere Literatur bei Puchner,Rosalienfest, op. cit., S. 243ff.
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