ausgedehnten Wäldern. Obrigkeitliche Vorschriften haben sich ebenfalls,vor allem im Bereich des ehemaligen Fürstbistums Basel, ausgewirkt undden ursprünglichen Holzbau verdrängt. Die Fürstbischöfe trachteten da-nach, sich möglichst viel Holz für ihre Verhüttungsanlagen im erzreichenGebirge vorzubehalten; deshalb verwiesen sie die einheimische Bevölke-rung auf die Nutzung der reichlich vorhandenen Steinbrüche. Die Hausein-teilung entspricht dem Vielzweckbau; die mitten im Gebäude liegendengroßen Rauchküchen bedingen einen dreiraumtiefen Wohnteil.
Im Mittelland, dem fruchtbarsten Landwirtschaftsgebiet der Schweiz, hatsich im Lauf der Zeit der Vielzweckbau herausgebildet, der Wohn- undWirtschaftsteil in einem Gebäude vereint. Der Wohnteil ist meist zweiraum-tief angelegt; der Wirtschaftsteil fügt sich daran mit Scheune, Ställen,Dreschtenne und Geräteraum. Die Häuser sind quergeteilt. Besonders ty-pisch ist das sogenannte Hochstudhaus, mit seinem großen, früher oftstrohbedeckten Walmdach. Imposante Firstständer, die wie Säulen wirken,tragen den Dachfirst. Nordöstlich und südwestlich schließen sich an dieZone der, Hochstudhäuser' Bauten mit zwei und mehr Ständerreihen an. Inder Westschweiz wurde dieser Mehrständerbau, vermutlich aufgrund städti-scher Vorbilder, mit Außenmauern versehen. In der Nordostschweiz ent-wickelte sich seit dem 17. Jahrhundert der Fachwerkbau, wohl aus derNotwendigkeit heraus, Holz zu sparen. Dabei wirkten die Bürgerhäusersüddeutscher Städte als Vorbild. Die Gefache wurden ursprünglich miteinem Flechtwerk verschlossen, das man mit Lehm verstrich. Später unter-teilte man sie immer häufiger mit dekorativen Riegeln.
Die Hauslandschaft der Alpen und Voralpen ist formenreich, gemäß derreichen Kammerung dieses Gebiets. Wir treffen sowohl Blockbau wieSteinbau an. Der ursprüngliche Mehrhausbau, bei dem Wohnen und Wirt-schaften auf mehrere unabhängige Bauten verteilt sind, ist vor allem imVoralpengebiet einem Vielzweckbau gewichen. In der Schweiz kennt manden Blockbau seit der Bronzezeit; noch älter ist allerdings der Pfosten- undStänderbau. Die Dächer der alpinen Häuser, Speicher und Ställe sind her-kömmlicherweise mit Schindeln, Schiefer- oder Steinplatten bedeckt( heuteoft mit Ziegeln oder Blech). Infolge zunehmendem Raumbedarf wurden siein den letzten Jahrhunderten immer steiler gebaut. Die Raumanordnung isthorizontal. Der Küchenteil ist gemauert, Stuben und Kammern sind gezim-mert. Im Wallis haben sich Häuser mit mehreren Wohngeschossen ent-wickelt. Sie waren notwendig, damit man den knappen Siedlungsraum füreine wachsende Bevölkerung optimal nutzen konnte. Dabei besteht seit demEnde des Mittelalters ein Stockwerkeigentum, das sich in der übrigenSchweiz erst seit dem Zweiten Weltkrieg allmählich durchgesetzt hat. DasEngadin besitzt besonders repräsentative Hausbauten. Sie belegen denWohlstand früherer Jahrhunderte, der auf den intensiven Handelsbeziehun-gen mit Oberitalien beruhte. Die Häuser, nicht selten mit Sgraffitis ge-
16