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Die Schweiz zwischen Hirtenidylle und High-Tech-Performance : eine volkskundliche Annäherung
Entstehung
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allem auch durch die Ausweitung und Verbesserung der Verkehrsbedingun-

gen.

Heute ist die Situation eindeutig: Das Frühstück mit Kaffee, Brot, Butterund Konfitüre hat sich längst landesweit durchgesetzt. Zwei Faktoren warendabei maßgebend: Einerseits die Tatsache, daß die Bevölkerung sich immermehr von der ursprünglich bäuerlich geprägten Lebensweise entfernte, dannaber auch der Umstand, daß gerade in Arbeiterkreisen das zeitsparendeKaffeefrühstück beliebt wurde, wobei man beim Kaffee zusätzlich diebelebende Wirkung schätzte. Im übrigen haben sich unter dem Einflußschweizerischer Ernährungsreformer( wie etwa Dr. Maximilian Oskar Bir-cher- Benner, 1867- 1939, Zürich) sowie amerikanischer und skandinavi-scher Eẞgewohnheiten neue Frühstücksspeisen eingebürgert: Flocken undFrüchte in bunter Menge, eine Art Mini- Brunch; ernährungsreformerischeÜberlegungen sind zum Modetrend geworden.

Generell ist die Ernährung der Schweizer pluralistisch geworden; auchläßt sie sich nicht mehr schicht- oder regionalspezifisch festlegen. VieleGerichte und Eẞgewohnheiten wurden von Immigranten- Subkulturen über-nommen und meist auch adaptiert( wie etwa die Pizza der Neapolitaner), einProzeß, der im übrigen nicht erst in unserer Zeit zu beobachten ist. Zudenken ist etwa an die Einführung der Teigwaren, der Spaghetti usw., infrüherer Zeit. Der Auslandstourismus der Schweizer bis hin in ferne Länderhat die Ernährung ebenfalls beeinflußt. So sind Speisen in der Schweizheimisch geworden, die noch vor dreißig, vierzig Jahren unbekannt waren.Viele Optionen stehen täglich offen, vom ,, fast food", dem auch in derSchweiz, vor allem bei Jugendlichen beliebten Hamburger, bis zur kulina-risch ausgeklügelten festlichen Mahlzeit. Beide Pole bestimmen die mögli-che Bandbreite für das gleiche Individuum. Je nach Tag und Stunde und nachgesellschaftlicher Situation wird das eine oder das andere gewählt. Danebensind Fertiggerichte und Tiefkühlprodukte zum unverzichtbaren Bestandteilder Ernährung geworden. Während noch um 1945 nur ein Bruchteil derSchweizer Haushalte einen Kühlschrank besaß, gehört er heute mit derKühltruhe zur obligaten Ausstattung. Alte Konservierungstechniken, wiedas Sterilisieren oder das Eingraben in Sand und Erde, sind vergessen; damitwurde auch der alte, geräumige Keller überflüssig. Eine publizitätsmächtigeLebensmittelindustrie, heute weitgehend in supranationalen Konzernen zusam-mengefaßt, nimmt den Hausfrauen diese Sorge ab und beliefert die Regale derVerkaufsgeschäfte mit Dauer- Produkten in unübersehbarer Fülle. Das alles hatzu einer landesweiten Nivellierung der Ernährung geführt, in gewisser Hinsichtauch zum Verlust eines Teils der regionalen Identität. Dafür wurden Lokalspei-sen, die man früher nur in bestimmten Gegenden kannte, zu nationalen Stan-dardgerichten, wobei sie vielfach ihren alltäglichen Charakter verloren und zuFestspeisen wurden; hier ist vor allem das Fondue, ursprünglich eine Käse-speise der Alphirten in der Westschweiz, zu nennen.

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