Druckschrift 
Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

164

Gorazd Makarovič

weihnachtlichen Wiegen im Klarissenkloster von Mekinje verwendet. Im 18. Jahr-hundert fertigten die Nonnen für diese wächsernen Jesuskinder eigene Kästchenan, sie erzeugten auch verschiedene Heiligenbildnisse und auch Krippenfiguren.Die Kästchen oder Krippenfiguren wurden zu Weihnachten in Kloster- und anderenKirchen ausgestellt. Solche Kästchen gab es zu dieser Zeit auch in manchen Adels-oder Bürgerhäusern. Die meisten erhaltenen Nonnenarbeiten, unter denen Jesus-,Marien- und Heiligenbildnisse am häufigsten vorkommen, stammen aber aus dem19. Jahrhundert. In Bauernhäusern wurden Krippen nicht vor dem 19. Jahrhundertheimisch. Bauern hatten keine Wachsfiguren, doch wurden in manchen GegendenWachskerzen neben Krippen aus Holz, Papier oder Ton angezündet. In Bürgerhäu-sern gehörte zur Krippe ein in Wachs gegossenes Jesuskind; das zarte Inkarnat desJesuskindes betonte den Kontrast zu den übrigen Figuren aus anderen Materialienund hob seine Bedeutung in der Weihnachtsszene hervor.

An Klosterarbeiten dürften sich auch die Hersteller von Kunstblumen aus Textil undPapier orientiert haben. Diese Tätigkeit begann erst in der Biedermeierzeit. Blütenund Blätter tauchte man in geschmolzenes Wachs, um sie fester und dauerhafterzu machen und um ihnen eine edlere Oberfläche zu verleihen, die an die nobelstenPorzellanblüten erinnern sollte. So wie bei anderen ähnlichen Techniken dürften abder zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert auch Stearin und Paraffin verwendet wor-den sein.

Wichtig war das Wachs bei Gießereiarbeiten zur Herstellung von Kanonen,Glocken, Statuen und vielen anderen kleinen Metallgußstücken. Mindestens seitdem 15. Jahrhundert war die Gießereitradition in slowenischen Städten sehr ver-breitet und hielt bis zum 20. Jahrhundert an. Man benötigte das Wachs zur Anferti-gung der sogenannten verlorenen Form. Die Wachsform wurde innen und außenmit nassem Gießsand umgeben. Wenn das Sandnegativ ausgehärtet war, wurdees solange erhitzt, bis das Wachs durch die Eingießöffnung und durch Luftab-gangkanäle ausfloß. Anschließend wurde das Gußmetall in dieses Negativ einge-leitet, das Sandnegativ entfernt und der Abguß herausgenommen, der die Formdes verlorenen" Wachsmodells hatte. Zumindest im 18. Jahrhundert wurdeWachs außerdem beim Polieren von Marmorstatuen verwendet, wodurch dieOberfläche einen zauberhaften Glanz erhielt.

Einer speziellen Technik, der Wachsreserve, bediente man sich in bäuerlicher Um-gebung beim Bemalen der Ostereier. Dazu benötigte man ein Schreibgerät in Formeiner Blechtülle, in die Wachs eingefüllt wurde. Beides zusammen wurde über ei-ner Kerze erwärmt und mit dem ausfließenden Wachs malte man Muster auf die Ei-er. Die Eier wurden anschließend in Farbe getaucht, worauf unter dem Wachs einweißes Muster erschien. Dieses Verfahren konnte mit verschiedenen Farben wie-derholt werden, sodaß eine mehrfarbige Ornamentierung erzielt wurde. Seit wanndiese Wachstechnik in bäuerlicher Umgebung angewendet wird, ist nicht bekannt.Ältere Berichte und erhaltene Ostereier stammen erst aus dem ausgehenden 19.Jahrhundert.