Druckschrift 
Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

162

Gorazd Makarovič

ze sollte auch bei Brandgeschwüren helfen. In Milch wurde eine gesegnete Kerzemit Myrrhe gekocht und mit der gewonnenen Salbe das Geschwür bestrichen.

2.4. Kerzen in Volksglauben und Brauch

Besondere Bedeutung hatten gesegnete Kerzen im Volksglauben und Volksbrauch.Die Kerzen wurden zu Lichtmeß aber auch an anderen Feiertagen in der Kirche ge-segnet. Die Einsegnung fand während der Messe statt: der Geistliche sagte fünfGebete auf, darauf zündeten die Gemeindemitglieder ihre langen, aufgewickeltenKerzen an, diese wurden vom Geistlichen mit geweihtem Wasser besprengt undbeweihraucht. Es folgte eine Prozession mit angezündeten Kerzen. Diese Kerzenwurden dann zu Hause für besondere Anlässe aufbewahrt. Noch am Feiertag wur-den mit ihnen Haus und Leute symbolisch unter Schutz gestellt. Mit einer brennen-den Kerze ging man um das Haus herum, um es vor allem Bösen zu schützen. Manbekreuzigte mit ihr alle Betten, die Bettwäsche und die Kleider, bekreuzigt wurdenauch alle Hausbewohner. Diese konnten das auch selbst durchführen. Am Blasius-tag wurde mit einer brennenden Kerze dreimal ein Kreuz über den Stall geschlagen,um das Vieh zu schützen. Dabei soll die Kerze auch Orakelkraft gehabt haben:wenn sich beim Auslöschen die Flamme oder der Rauch gegen eine Person wand-te, soll das ihren Tod noch in demselben Jahr angezeigt haben.

An anderen Tagen im Jahr erlangten gesegnete Kerzen bei Gewittern eine großeBedeutung. Man zündete sie an im Glauben, daß sie Haus und Hof vor Blitzschlagretten können. Mancherorts wurde einem Sterbenden eine brennende Kerze in dieHand gedrückt als Zeichen einer symbolischen Wegzehrung für die andere Welt. Inmanchen Gegenden trugen bei einer Bestattung alle im Zug Mitgehenden einebrennende Kerze mit. Die Totenkerze brannte beim Sterbenden, in manchen Ge-genden wurden auch an Jahrestagen Kerzen zum Andenken an die Toten ange-zündet.

Diese und ähnliche Bräuche mit der heiligen Flamme scheinen ziemlich archaischzu sein. In Quellen sind sie, außer der Kerzeneinsegnung zu Lichtmeẞ, allerdingserst für die Wende zum 19. Jahrhundert in Stadt und Land belegt. Ihr eigentlichesAlter bleibt offen, doch kann angenommen werden, daß sie viel älter sind als dieQuellenaussagen.

Bei einer wenig entwickelten Kerzendreherei, die erst seit dem 17. Jahrhundertverbürgt ist, werden Kerzen wohl in Heimarbeit hergestellt worden sein. Sie dürftein Zusammenhang mit der Opfer- und Wachssammlung für die eigene Kirche ent-standen sein. Außer Wachsopfern und Untertanenabgaben wird die Kerzenherstel-lung für den Festtag des Kirchenpatrons von der Dorfgemeinschaft organisiert wor-den sein, was immer mit verschiedenen Bräuchen und Trinkgelagen einherging.Auf dem Karst und in Innerkrain wurden die Kirchen an solchen Tagen mit Kerzenumgürtet( opasati), deshalb werden solche Tage noch heute opasilo" genannt.