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Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
Entstehung
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Gorazd Makarovič

Sechs Kerzen auf dem Altar bedeuteten ununterbrochenes Beten, drei Kerzen dieHeilige Dreifaltigkeit, sieben Kerzen die sieben Sakramente oder eine symbolischeZahl aus der geheimen Offenbarung. Die Osterkerze stand für den auferstandenenErlöser, die Bischofskerze als Zeichen, daß eucharistische Rituale vom Bischof vor-genommen werden. Etwa bis zum 12. Jahrhundert wurden Kerzen am Altar vonbesonderen Kerzenträgern gehalten, mindestens im 14. Jahrhundert bekamen Ker-zenständer eine ständige Stelle auf dem Altar.

Spätestens im 10. Jahrhundert begann man mit der Segnung von Kerzen, die zuLichtmeẞ in der Prozession getragen wurden; am Karsamstag wurden die Osterker-zen gesegnet. In den Gebeten des römischen Missales bittet die Kirche, die ge-segneten Kerzen mögen den Menschen geistige und körperliche Gesundheit brin-gen, sie an die Gnade des Heiligen Geistes und an das ewige himmlische Licht erin-nern. Die massenhafte Verwendung von Kerzen bei Prozessionen und Kirtagen ver-breitete sich besonders in der Barockzeit unter der Bevölkerung.

Wachs war für die Kirchen also unumgänglich notwendig, sie verbrauchten sehrviel davon. Wachsschenkungen waren folglich eine gottgefällige Tat, die auch mitSündenablässen verbunden war. Legate an Kirchen in Wachs oder zum Wachs-kauf werden in Testamenten von Adeligen seit dem 14. Jahrhundert immer häufi-ger; seit dem 15. Jahrhundert übernahmen Zünfte und verschiedene Bruderschaf-ten in zunehmendem Maße die Sorge um das Kirchenwachs. Mindestens seit dem15. Jahrhundert wurden in Wallfahrtskirchen von den Wallfahrern Wachskerzengeopfert, manchmal sogar mit Münzen gespickt; diese Kerzenschenkungen vonWallfahrern scheinen im 18. Jahrhundert sehr weit verbreitet gewesen zu sein.

Einen besonderen Wert bekam das Wachs durch das Siegeln. Verschiedene heiligeReliquien mußten gewertet, bestätigt und geschützt werden, was durch Wachssie-gel vorgenommen wurde. Die ältesten slowenischen gesiegelten Reliquien stam-men aus dem 12. Jahrhundert; seit dieser Zeit, bis ins 20. Jahrhundert hinein,nahm ihre Zahl ständig zu.

Auch in der weltlichen Verwendung hatte das Wachs bei höheren Gesellschafts-schichten nicht nur utilitarischen Wert, sondern ebenfalls einen bedeutendenSymbolgehalt. Das Wachssiegel war das wichtigste Mittel für die Bestätigung vonUrkunden; das Siegelrecht stellte zumindest im Mittelalter ein besonderes Privilegdar. Die ältesten Siegel, die mit slowenischen Gegenden verbunden sind, befindensich auf Schenkungsurkunden der deutschen Herrscher aus dem 9., 10. und 11.Jahrhundert. Im 11. und 12. Jahrhundert werden Siegel hoher kirchlicher Würden-träger üblich, seit Anfang des 13. Jahrhunderts beginnt die Verwendung der Siegelauch schon beim höheren Adel und später auch bei den höheren Ministerialen. Inder zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts werden Siegel der Städte in Slowenien im-mer häufiger, Siegel von Einzelbürgern bleiben jedoch bis zur Wende vom 13. zum14. Jahrhundert eine Ausnahme. Das älteste Zunftsiegel wird erst im 15. Jahrhun-dert erwähnt. Diese Entwicklung stimmt mit der Entwicklung der gesellschaftlichen