56
links gewahren wir die zwei typischen niedrigen Herdstühlchen Istriens neben dem größerenHerdschemel. 2. Der gedeckte Tisch mit 16 Tellern, zwischen und vor welchen regelmäßigverteilt Messer und Gabel nebst den Löffeln liegen, während zwölf kleine Weinbecher für denDurst sorgen; in der Tischmitte steht ordnungsgemäß die ovale Schüssel( mit Gemüse)— viel-leicht sogar vornehmer: eine Jardiniere mit grünem Tafelschmuck zwischen den beiden weit-bauchigen Chiantiflaschen. Als Gegenstück zu dieser pedantischen Ausmalung der Tafelfreudenerscheint 3. eine Wiedergabe des sonstigen notwendigen Küchen- und Hausgerätes: in der Mittedas Sieb, beiderseits von je vier Holzlöffeln mit Hakengriff flankiert, links und rechts in denBasisecken Tragstangen für die Wasserkessel; ferner Messer, Wasserschöpfer und Tisch( Schemel?). Derlei bildliche Aufzählungen sind in der Volkskunst auch sonst recht beliebt: dieBrautschaffe Tirols oder die Löffelrechen z. B. bieten mitunter Ähnliches.( Vergl.„, ÖsterreichischeVolkskunst", Tafel 80, Fig. 7.) Bezüglich der Datierung unseres Stückes fehlen nähere Anhalts-punkte; im Stil der abgebildeten Gegenstände liegt keinerlei Hinweis, höchstens daß die Teller-form und die Andeutung eines Kammes auf dem Haupte der weiblichen Figur auf die Zeitum 1850 als ungefähres Datum der Entstehung der hübschen Arbeit schließen läßt, was auchmit der Beschaffenheit des Holzmaterials ziemlich übereinstimmen würde.
Ein Schnitzwerk von Johann G. Kieninger.
Mitgeteilt von F. PÖSCHL, Wien.
Im Anschluß an die in dieser Zeitschrift, S. 4-12, erfolgten Mitteilungen über die be-wundernswerten volkskünstlerischen Arbeiten des Meisterschnitzers J. Kieninger( Hallstatt)wird es Interesse finden, zu vernehmen, daß sich eine kleine, aber interessante, authentische
Fig. 31. Porträtfigürchen der Zaunerschen Eheleute.Arbeit von Johann Kieninger.
Arbeit dieses Meisters in meinemBesitz findet. Sie ist nebenstehendin Fig. 31 abgebildet. Die beidennaiven Figürchen stellen die ehe-maligen Besitzer des Hauses Nr. 25in Obertraun, namens Johann undEleonore Zauner, dar. J. Kieningerwar der Schwager der Frau. Diebeiden Porträtfigürchen stammenaus den Siebzigerjahren des ver-flossenen Jahrhunderts und sollenüberaus wohl getroffen sein. MeineGewährsleute sind die jetzigen Be-sitzer dieses Hauses, das sie samtaller Habe darunter auch dieSchnitzerei von den Zauner-schen Eheleuten, ihren„ Goden",geerbt haben. Das Stück ist ausLindenholz geschnitzt und in ziem-lich diskreter Art gefaßt. Die Längedes Kästchens beträgt 12'5 cm.
*
Der Fund eines authentischenSchnitzwerkes von J. Kieninger inWiener Privatbesitz gibt der Direktion des k. k. Museums für österreichische Volkskunde will-kommene Gelegenheit, auf die zahlreichen Arbeiten hinzuweisen, die von Kieninger für Ver-leger und Händler gearbeitet, gewiß noch in Sammlerhänden zu finden sind, ohne daß der Be-treffende selbst von der Provenienz des Stückes unterrichtet ist. Sollten die in unserem erstenHefte publizierten Stücke zu einer Eruierung derselben in Sammlerkreisen verhelfen, so stellt dieDirektion an alle für die Sache interessierten Leser das freundliche Ersuchen, sie mit einem solchenFunde gütigst bekannt machen zu wollen, eventuell auch eine Publikation des Stückes zu gestatten.