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den slawischen Volksarbeiten Istriens( der Slowenen, Serbokroaten) mit einem viel altertüm-licheren primären Kunststile zu tun, der im Gegensatz zu dem figuralen Dekorationsprinzip jeneranderen durchwegs vom geometrischen Ornament beherrscht wird. Wenn nun, wie in Istrien,italienische und slawische Bevölkerungen in engster Vermengung oder Nachbarschaft mit-einander leben, so muß wohl unvermeidlich auch in Volkskultur und Volkskunst sich gegenseitigeVermengung und Beeinflussung einstellen.
Ein sprechendes Zeugnis solcher Vermen-gung italienischer und slawischer Volkskunstliegt in einem hübschen Holzkästchen vor, dasauf Tafel XVIII( in mehreren Ansichten) Ab-bildung gefunden hat. Es ist eines jener vor-zugsweise als Minnegaben dienenden Schmuck-kästchen, in dessen Verzierung der Verfertigermit volkstümlichem Geschmack seinen ganzenFleiß und erfinderischen Sinn zu legen liebt.Die viereckige Schachtel aus Eichenholz mittypischen Abmessungen( Länge: 21'6 cm, Höhe:113 cm, Breite: 17 cm) wird von einem in Fal-zen laufenden Schiebdeckel geschlossen, dessenGriffteil, über den Kästchenrand hinausragend,seiner Form nach einen stark stilisierten Engel-kopf mit Flügelpaar darzustellen scheint¹. Inder Basis des Griffteiles sind die beiden Ini-tialen N N ausgeschnitzt wahrscheinlich dieNamensinitialen des Mädchens, dem das Käst-chen gewidmet worden war.( Fig. 30.) Imübrigen ist der Deckel in rein geometrischerOrnamentierung durch eingeschnittene Linienverziert. Drei der Seitenwände des Kästchenssind mit verschiedenen Darstellungen( in Aus-gründung) geschmückt, welche sich auf den täg-lichen Hausstand beziehen, wahrscheinlich innaiver Anspielung auf den künftigen Haushaltder beiden Leutchen, zwischen welchen dasKästchen als Liebesunterpfand eine Rolle ge-spielt hat. Auf einer der beiden Längswände( die zweite ist wieder rein geometrisch orna-mentiert) gewahren wir bei höchst kunstloserUnterteilung der Fläche linksseitig eine figuraleSzenerie, welche inhaltlich mit den Darstellungen auf den beiden Breitseiten Zusammenhangbesitzt, während die rechtsseitige Darstellung( Lorbeerbaum in Vase, beiderseits von zweikleinen Vasenbäumchen flankiert) gewiß älteres, traditionelles Ornamentgut darstellt und hiernur vom Künstler sekundär seinen Zwecken dienstbar gemacht erscheint, vielleicht als Andeutungeines künftigen Hausgärtleins. Die drei szenischen Hauptbilder nun, mit ethnographischer Treueder wiedergegebenen Objekte ausgeführt, bewegen sich in einer Sphäre der Gegenständlichkeit,welche von der Volkskunst mit Vorliebe ausgemalt wird: In treuen Schilderungen aus demtäglichen Haushalt, wobei mit besonderer Liebe die vollständige und reiche Ausstattung mitallen erforderlichen Geräten des Hauses und ihre typische Anordnung betont erscheint. Zunächst1. die Küchenszene: die junge Frau am Herd, aus dessen Rauchmantel die Kette mit dem an-gehängten kupfernen Polentakessel herabhängt, in welchem die Köchin mit dem Löffel hantiert.Um die reiche Ausstattung zu dokumentieren, hängen links drei weitere Kessel herab. Am Boden
Fig. 30. Deckel eines istrianischen Holzkästchens.
1 Bei einem anderen von mir in ,, Österreichische Volkskunst", Tafelband, Tafel 99, Fig. 12, abgebildetenExemplar eines Istrianer Holzkästchens ist der Deckelgriff in ähnlicher Art durch den Kopf der auf dem Deckelen relief ausgeschnitzten Menschenfigur gebildet.