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Der dem praktischen Zwecke dienende Teil hat, der historischen Ent-wicklung des Typus entsprechend, bei den rezenten Stücken wesentlich anderenCharakter als etwa bei den Fibeln der Hallstattperiode; um so auffälliger istdie Gleichartigkeit des Schmuckbehanges aus Kettchen mit scheibenförmigenbzw. aus Geldmünzen gefertigten Anhängseln. Der übermäßig weite Zeitraum,der zwischen den Beispielen aus alter und neuer Zeit sonst meistens klafft, wirdhier in sehr glücklicher Weise durch Gehängeschmuck, Fibeln und Anhängselaus mordwinischem Gebiet und der Umgebung von Perm überbrückt, dem7. bis 8. Jahrhundert entstammend, welche stilistisch sich vollkommen in dieReihe der hier angeführten Beispiele stellen lassen¹.
Im übrigen kann uns bei der großen Zweckmäßigkeit, welche die Fibel alsGewandhafte besitzt, ihr zähes Leben durchaus nicht wundernehmen; offenbar
Fig. 20. Messingdrahtfibeln mit Glasperlverzierung. Trachtstücke aus Krainund dem Küstenlande.
aus diesem Grunde hatsie sich auch anderwärtsin der Volkstracht seituralter Zeit festgesetzt.
So findet sie sich,aus Draht gebogen, miteinfachem jedoch perl-verziertem Bügel in derMännertracht der Dau-phinee und Savoyensvor, ferner in Krainund Istrien( Fig. 20), inreicheren Formen wirdsie als Fürtuchklemmerin der Mädchentracht
des Eisacktales in Tirol verwendet; endlich begegnet ihre Verwendung auchnoch in der Bretagne².
Zu Osteuropa zurückkehrend können wir als ein weiteres Rudiment hoch-altertümlicher Kunstübung wohl das häufige Vorkommen paarig angeordneterKopfendigungen als Ziermotiv namhaft machen. Sie sind einerseits charakteristischfür eine Serie von Holzgefäßen aus dem skandinavisch- russischen Norden,anderseits kommen sie ganz nach prähistorischer Art auf Schmuckanhängernin Großrußland vor, auch wieder bei den Mordwinen( Fig. 21, 2-4). Es handelt sichdabei, wie gesagt, lediglich um die Tatsache der Anbringung, stilistisch ist derUnterschied zwischen dem alten und dem rezenten Material, wie ja auch sonst,auf den ersten Blick erkennbar. Ein Kopfpaar kehrt auch auf huzulischen Gürtel-schnallen( Tafel XI, Fig. 11 und 14) wieder. Rein formal könnten sie wohl auchganz gut als Kopfteil eines Doppeladlers gedeutet werden; wahrscheinlich isthier ein älteres Motiv durch das ihm verwandte neue konserviert worden.
Es gilt nun noch ein Bedenken gegenüber den ins Auge gefaßten Zusammen-hängen zu beseitigen; dieses betrifft die Tatsache, daß bei manchem der an-
1 J. R. Aspelin, Antiquités du Nord Finno- Ougrien, Nr. 677, 697, S. 154-55, Nr. 911, S. 196.
2 Österreichische Volkskunst, Bd. II, Tafel 108, Dr. A. Haberlandt, Beiträge zur bretonischen Volkskunde,Suppl. VIII d. Zeitschr. f. öst. Volksk., Tafel VIII, Fig. 1, 2.