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1 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 1.
Entstehung
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Vorarlberg reich entwickelten und landschaftlich stark differenzierten Möbel, als SchränkeTruhen und Stühle, welche unter unseren Erwerbungen hervortreten und durch mustergültigeExemplare oder, wo es nötig schien, durch ganze Serien von solchen repräsentiert erscheinen.Unter dem Tiroler bäuerlichen Mobiliar stechen durch besondere Eigenart, sei es der Be-malung, sei es durch reiche Schnitzarbeit, besonders die Stücke des Unterinntales, mit denSeitentälern des Ziller- und Alpbachtales, des Oberinntales( mit Ötz- und Pitztal) hervor,worauf schon Dr. K. v. Radinger, Z. f. österr. Volkskunde, Bd. XVIII, S. 55 f., hingewiesenhat. Während nun die kunstwissenschaftliche Behandlung der Schränke und Truhen für einenspäteren Zeitpunkt vorbehalten bleibt Dr. K. v. Radinger wird noch in diesem Jahrgangeine Studie über den Alpbacher Möbelstil veröffentlichen, beginnen wir an dieser Stellemit einer fortlaufenden Darstellung und Besprechung der überaus mannigfaltig entwickeltenStuhlformen des deutsch- österreichischen Alpengebietes, welche ja längst Gegenstand so-wohl kunsthistorischen Interesses sowie sammlerischer Liebhaberei geworden sind. Offenbartsich doch gerade in der volkskünstlerischen Ausgestaltung der Stuhllehnen mehrfach eine be-sondere Erfindungskraft sowohl des handwerklichen wie des bäuerlichen Schnitzers und Malers,welcher den für diese oder jene Landschaft feststehenden Typus unerschöpflich zu variierenweiß.

Wie I. Brinckmann, Beschreibung der Möbel des Hamburger Museums für Kunst undGewerbe, S. 36, treffend hervorhebt, nehmen die Stühle überall eine Sonderstellung ein. Mehr-fach haben die einzelnen Bezirke und Landschaften, wie sie Schmuckformen oder Trachteneigenartig bewahrten, so auch bestimmte Formen des Stuhles durch lange Zeit festgehalten.Dafür sind in Tirol die intarsierten oder bemalten Renaissancestühle des 16. und 17. Jahr-hunderts, wie sie in Nonsberg und Sulzberg( Südtirol)( Tafel X, Fig. 4) vorkommen, oder dieStuhlform des Ötztales( Tafel X, Fig. 3) besonders charakteristische Beispiele. In unermüd-licher Variation kehrt hier dieselbe Grundform, namentlich der Lehne, die sich von den sonstin Tirol üblichen Stuhltypen ganz wesentlich unterscheidet, fast eigensinnig wieder. Besondersbeliebt ist dabei das Motiv, die Namensinitialen des Bestellers oder Schnitzers in durch-brochener Schnitzarbeit im Mittelfelde der ovalen Lehne erscheinen zu lassen, wie unserExemplar in besonders kunst- und geschmackvoller Weise es zeigt, das außerdem noch dieHandwerkssymbole der Tischlerei und einen hübschen Renaissancekopf mit dem Monogrammvereinigt bringt. Weitere Stühle sind aus Oberösterreich beigebracht( Tafel X, Fig. 1, 2). Dierückseitig buntbemalten Lehnen bringen reizende Trachtenfiguren in paarweiser Anordnung zurDarstellung; nach denselben zu schließen stammen die Stühle aus dem Traungau oder derGegend von Steyr. Der Stuhl auf Tafel X, Fig. 5, mit ausgestochenen Ornamenten auf Vorder-und Rückseite der Lehne, sowie auf dem Sitzbrett, bez. 1735, stammt aus dem Hause derGroßbäuerin Katharina Rieß von Thumersbach bei Zell a. S. Der Stil dieser Verzierung istfür den unteren Pinzgau charakteristisch. Schön geschnitzte Stuhllehnen weisen die ExemplareTafel IX, Fig. 3, 4, auf; sie sind für das obere Inntal charakteristisch und setzen sich nachVorarlberg hinein fort, wo das Montafontal ein Zentrum derartig verzierter Stuhllehnen dar-stellt. Bewundernswert ist die reiche Variation einiger weniger Motive, die zum größten Teilvon der Renaissance herkommen. So vor allem das Motiv des Doppeladlers, welches derRenaissancestuhllehne besonders häufig zu grunde liegt, und wie R. Forrer Von alter undältester Bauernkunst" S. 6 gezeigt hat, im Bauernstuhl der mannigfachsten Abwandlung, Ver-einfachung und Verrohung, mitunter auch Mißverständnissen ausgesetzt gewesen ist. Es zeigtsich, daß mit der Vereinfachung und Veränderung der Kontur des Doppeladlers andere ge-läufige Volksmotive mithineinspielen: das Herz, die Tulpe. Auch das Fischmotiv, das Akanthus-blatt, Engelköpfe treten nicht selten auf, meist in ein barockes Linienspiel einbezogen; Fratzen-gesichter im Mittelpunkt der Komposition sind ebenfalls häufig und stammen aus der höherenRenaissancekunst.

Die Reihe einschlägiger Darstellungen wird in den nächsten Heften fortgesetzt.

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Blumenstalen aus dem Ötztale. Es gehört zu den anheimelndsten Schmucksittendes Ötztaler Bauernhauses, daß fast regelmäßig vor einigen Fenstern desselben Stellbretter fürBlumentöpfe mit hübsch geschnitzter und bemalter Vorderbrüstung angebracht sind. Auf Tafel XI