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1 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 1.
Entstehung
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gewiesen¹; gerade in den Donauländern ist, wie A. v. Walcher gezeigt hat, eine ganze Reihehervorragender keramischer Plastiken aus den heimischen Hafnerwerkstätten in sehr früherZeit hervorgegangen²; nach unserer Gruppe zu schließen, ist ein gleiches auch von denMajolikawerkstätten des Gmundener Handwerks schon in seinen ersten Anfängen anzunehmen.Das Motiv der raufenden Burschen begegnet in der alpenländischen Tonplastik schon sehrfrüh; man vergleiche die bunte Gesimskachel aus den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts beiWalcher a. a. O. S. 346, Abb. 125.

Es muß nun weiteren Funden und Studien überlassen bleiben, die Stellung des Stückesim Bereiche ähnlicher Erzeugnisse endgültig zu fixieren.

Die nach Art der frühen ,, Zwiebelschüsseln" mit farbigen Bleiglasuren bemalte Schüssel( Tafel VIII, Fig. 3) in Meran erworben stellt unter den tirolischen Hafnerarbeiten einenbisher ganz vereinzelten Typus dar; in der Farbengebung schließt sie sich, wie erwähnt, amehesten an die in den deutschen Alpenländern, Böhmen, Mähren usw. weitverbreiteten sog.,, Zwiebelschüsseln" an, in deren Geschmacksrichtung auch das Ornament verbleibt, ohne jedochin den einzelnen Elementen und der Art der Anbringung seinen selbständigen Charakter zuverleugnen. Zum Vergleiche wäre ferner ein mit dem Doppeladler verzierter Krug aus dergleichen Zeit in Innsbrucker Privatbesitz heranzuziehen, ebenso zwei Krüge von italienischerForm im Besitze des k. k. Museums f. österr. Volkskunde, in ganz roher Weise mit Rankendekorbemalt. Beide Beispiele erweisen die häufige Verwendung der höchst einfachen Farben-zusammenstellung grün und braun auch für die Hafnereien in Nord- und Südtirol. Die hierbesprochene Schüssel entstammt zweifelsohne einem der höher gearteten Betriebe, dessenLokalität sich vorderhand aber in keinerlei Hinsicht feststellen läßt.

Qualitativ den höchsten Rang nimmt unter den abgebildeten Stücken wohl der Krug( Tafel VIII, Fig. 2) ein. Der elegante Aufbau des Tonkörpers wird in sehr glücklicher Weisegehoben durch den hoch dimensionierten, reich profilierten Zinndeckel, in dessen Mitte eineschalenförmige Hinterglasminiatur( Darstellung des heil. Franziskus) eingefügt ist. Es handeltsich eben um keine Dutzendware, sondern wie der vorn angebrachte Spruch deutlich zeigtum ein für eine bestimmte Gelegenheit bestelltes Stück, vermutlich das Namenstagspräsenteiner Tischgesellschaft, das durch einen auf dem Grund hockenden grün glasierten Froschscherzhaften Charakter gewinnt. Derartige Spässe sind ja vielfach für die zu Trinkzweckenbestimmten Erzeugnisse der Töpferei charakteristisch³.

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Die hervorragend sorgfältige Ausführung des Stückes läßt kaum an etwas anderes als Er-zeugung in einem größeren Fabrikationszentrum, Holitsch, Wischau oder Stampfen, denken;für letzteres spräche die dort häufig angewandte schwarze Grundierung des Oberteils derLeibung, die Feinheit der Ausführung anderseits findet am ehesten ein Analogon in WischauerErzeugnissen, wie deren das Brünner Landes- Museum, ebenso das Franz- Josef- Museum inTroppau besitzt. Es wäre nicht ausgeschlossen, daß archivalische Forschungen über die Pro-venienz Aufschluß bringen könnten.

Neuerwerbungen des k. k. Museums für österreichischeVolkskunde.

( Mit Tafel IX und X.)

Bäuerliche Stühle. Unter den überaus zahlreichen, volkskünstlerisch bemerkenswertenGegenständen, welche die Museumsleitung im abgelaufenen Jahre dank seitens der Museums-freunde zur Verfügung gestellten Mittel( Z. f. österr. Volkskunde, Bd. XVIII, S. 78, 130 f.,199, 237) für die Sammlungen dieses Museums erwerben konnte, nimmt die Gruppe desbäuerlichen Mobiliars eine hervorragende Stelle ein. Insbesondere sind es die in Tirol und1 M. Haberlandt: Österreichische Volkskunst, Bd. I, S. 91.

2 A. Walcher v. Molthein: Die deutschen Keramiken der Sammlung Figdor. II. Kunst und KunsthandwerkBd. XII, 1909, S. 352.

3 A. Walcher v. Molthein: Die deutschen Keramiken der Sammlung Figdor. I. Kunst und KunsthandwerkBd. XII. 1909, S. 38.