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1 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 1.
Entstehung
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Burgvogt Kuno überlebte die Wildensteiner Ritterschaft. Er hauste nachderen 1823 erfolgten Auflösung noch acht Jahre in dem nunmehr wieder ver-ödeten Gebäude allein und einsam gleich einem Burggeiste und zehrte an denglanzvollen Erinnerungen.

Als Anfertiger der Karten kämen neben dem Burgvogt Schnepfleitner, welchergleichfalls über das Talent eines Zeichners und Malers verfügte, noch in Frage:Die Ritter der blauen Erde Matthäus Schmutzer, Hofzeichnenmeister, gestorben1824, und Anton Köpp von Felsenthal, Professor der theresianischen Ritter-akademie, gestorben 1821; weiters der Maler Karl Ruß, nach dessen Entwürfenim Jahre 1816 ein neues Kostüm für die Mitglieder der Ritterschaft zur Ein-führung gelangte.

Die Kartenserie ist als solche wohl frei erfunden und kaum in Anlehnungan ein bestimmtes älteres Original entstanden. Sie hat mehr den Charaktereines Gesellschaftsspieles als den von Wahrsagekarten im engeren Sinne. Wohlnahm im späten Mittelalter das Geheimnis im Zufall der Kartenmischung unddessen Wirkung den Geist so gefangen, daß er darin selbst eine Art höhererFügung erkannte, Spielglück oder Unglück als eine Prädestination ansah, daßer die Regeln und Gesetze dieses Zufalles ergründen und berechnen oder garaus den Karten die Zukunft vorauslesen wollte trotzdem aber ist es unseresWissens damals zu der Herstellung von Spielkarten mit Kombinationen aufdie möglichen Erlebnisse der Mitspielenden nicht gekommen. Solche Zukunfts-spiele waren eine Erfindung des 18. Jahrhunderts und sie kamen erst in derEmpirezeit so recht in Mode.

Die Grundanlage bei der Kartenfolge des Museums für österreichische Volks-kunde waren fünfzehn Gruppen je drei zusammengehöriger Karten; z. B.: Edel-mann, Dame am Söller und Hund"( als Symbol der Treue). Die vielenmöglichen Kombinationen durch Austausch der einen oder der anderen Karteließen ebensoviele Auslegungen zu.

Keramische Arbeiten aus den Alpenländern.

Von Dr. ARTHUR HABERLANDT, Wien.

( Mit Tafel VIII.)

Die auf Tafel VIII abgebildeten keramischen Arbeiten gehören zu den interessantestenNeuerwerbungen des Museums f. österr. Volkskunde auf diesem Gebiete; auf die zum Teilganz neuen Probleme, welche sich an sie schließen, sei vorläufig ganz kurz aufmerksam gemacht.Die Gruppe der raufenden Bauernburschen( Tafel VIII, Fig. 1) wurde im Wiener Kunst-handel erworben und gehört der Zeitstellung nach wohl dem Ausgange des 17. oder Anfange des18. Jahrhunderts an. Die Provenienz des Stückes ist mit völliger Sicherheit vorderhand nichtanzugeben; zweifellos feststeht nur die Herkunft aus Oberösterreich oder Salzburg. Die opaken,aber in reinen Tönen hergestellten Farben der Glasur entsprechen am ehesten denen einervierfarbig glasierten Kachel( Simsstück) im Besitze des k. k. Museums f. österr. Volkskunde,welcher von A. von Walcher Salzburg zugewiesen wurde. Isoliert voneinander begegnenaber dieselben Farben auch an einzelnen Gruppen der Gmundener Erzeugnisse und mitRücksicht auf die später ja ziemlich reichlich entwickelte Fayence- Kleinplastik Gmundensdürfte die Gruppe daher wohl eher aus dem Bereich des Gmundener Hafnerhandwerks stammen.Die Verwendung bildhauerisch geschulter Kräfte in Hafnerwerkstätten ist ja vielfältig nach-