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1 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 1.
Entstehung
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II. Systematische Betrachtung des Stückes. Das System, nach dem ichvorgehe und das auf dem Boden methodischer Übungen in der Betrachtungdes einzelnen Kunstwerkes entstanden ist, läßt sich übersichtlich in folgendemSchema geben¹:

1. Material und Technik

Bedeutung

Erscheinung

Objektive Darstellung

Subjektive Wirkung

2. Sache, Zweck( Gegenstand)

5. Inhalt( Seelischer Gehalt)

3. Gestalt( Daseinsform)

4. Form( Wirkungsform)

1. Material. Prof. Dr. Hans Molisch teilt mir auf Grund mikroskopischerUntersuchung mit: Der Gewebegrund besteht aus Garnfäden einer Bastfaser,wahrscheinlich aus Leinenfaser. Die eingestickten weißen, roten und blauenStickereien bestehen aus entsprechend gefärbter Seide. Die metallisch glänzendenStickereien bestehen aus Seidenfädenbündeln, die mit einer Metallhaut schrauben-artig umhüllt sind."

Technik. Schleierartiges Gewebe, beiderseits mit Webekante, oben etwaseingeschlagen, unten die Kettfäden als Fransen herabhängend. Die Stickerei istäußerst sorgfältig und auf beiden Seiten egal in wenig Sticharten ausgeführtund zwar herrscht bei allen in weißer, roter und blauer Seide ausgeführtenMusterungen der Perlstich, während die Silberfüllungen sowie die roten oderblauen, mit Silberfädenstichen durchzogenen Füllungen in Flachstich ausgeführtsind. Zahlreiche markante Partien der Musterungen, wie das Dach des Hauses,die Pferdefiguren des Reiterzuges, die Greifenfiguren und die aufspringendeGazelle, endlich verschiedene Partien der größeren Blüten an den beiderseitigenRankenbäumen sind in feinster Punto tagliato- Technik behandelt. Endlich er-scheinen zur Modellierung der Gesichter und sonst stellenweise verschiedeneSpitzenstiche angewendet.( Mitteilung von Prof. Dr. M. Haberlandt.)

2. Sache und Zweck. Rechteck, 54 cm breit, zirka 38 cm lang, die Fransen8 cm. Bestimmung des Stückes leider unbekannt.

Gegenstand der Darstellung: Seitlich Rankenbäume, in der Mitte oben einHaus zwischen kleineren Ranken, darunter eine Jagd.

Beschreibung: Die Rankenbäume sind untereinander so gleich, daß es ge-nügt, einen zu beschreiben. Unten in Durchbruch weiß eine Vase mit Herz-aufsatz auf rotem dreiteiligen Fuß. Darüber auf Silberstiel ein großer Kelch inlockerem Perlstich mit roter Silberfüllung und Durchbruchboden. Darauf wächstnun der Stamm als Kandelaber auf, aus abgestuft ineinander gesteckten Trichternbestehend, die abwechselnd silbern, rot und weiß sind, alle Flächen blau um-randet. Die Ranken entspringen beiderseits über dem Herzaufsatz der Vase,

1 Vgl. darüber: 1. ,, Die Zukunft der Kunstwissenschaft." Beilage zur Münchener Allg. Zeitung, 1905, Nr. 55.2. ,, Turners path from nature to art." Burlington, Magazine 1908, S. 335 ff. 3. Die Kunstgeschichte an derWiener Universität." Österreichische Rundschau 1909. 4. Volksbildungsarchiv III( 1912), S. 46. 5. Dieses Systemsteckt auch zwischen den Zeilen meines Buches ,, Die bildende Kunst der Gegenwart". Leipzig, 1907. Vgl. dazuSchmarsow, Grundbegriffe der Kunstwissenschaft, und Wölfflin, Das Problem des Stils in der bildenden Kunst.Sitz.- Ber. der preuß. Ak. d. Wiss. XXXI( 1912) S. 572 f.