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wurde ihm dies- aus unbekannten Gründen untersagt und gleichzeitig ver-boten, seine Schnitzereien im Museum zu belassen, ein Verbot, das ihn pekuniärsehr schwer traf, da er die freiwilligen Gaben der zahlreichen von seinen Ar-beiten interessierten Besucher verlor und ebenso auch die kleinen Aufträge, die
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Fig. 3. Flügelaltar aus dem Kieningerschen Kirchenmodell.
ihm hie und da bei dieser Gelegen-heit zu teil wurden. Wieder war erder knappen Verlegerhand ausge-liefert, als der Schreiber dieser Zei-len 1898 durch Herrn Dr. RichardHeller auf den Schnitzer und seineWerke, die damals in einem elendenSchuppen untergebracht waren, wosie in kürzester Zeit zu grunde gehenmußten, mit berechtigter Wärme auf-merksam gemacht wurde. Ich reistesofort nach Hallstatt und erwarb vonKieninger, in dem ich einen wohlvon Alter und Krankheit Gebeugten,aber doch einen schlichten ganzenMann und Künstler aus dem Volkefand, sämtliche noch vorhandenenArbeiten für das Museum für öster-reichische Volkskunde um eine Kauf-summe, welche dem Greis und sei-ner Frau den Lebensabend so vielals möglich erleichterte. JohannKieninger ist bald darauf gestorben;am 13. Januar 1899 ward er ab-berufen.
Von den authentischen Arbeitendieses absolut ungelernten Natur-künstlers, dessen künstlerisches Ni-veau sich so hoch über das land-läufige Können von Volksarbeiternerhebt, befindet sich eine nicht kleineZahl im Besitze des k. k. Museumsfür österreichische Volkskunde, wel-che es ermöglicht, ein Bild von sei-nem Schaffen zu gewinnen; es sinddie folgenden:
1. Das Modell einer Kirche mit vollständiger Inneneinrichtung, von welchervier Altäre und die Kanzelpartie besondere Aufmerksamkeit verdienen.2. Die Weihnachtskrippe, teilweise mit beweglichen Figuren ausgestattet,ein überaus reizvolles Werk, in welchem die Mischung von volkstümlicherTradition und individuellem Erfindungsgeist besonders bemerkenswertauftritt.