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dem Schatz der Volkstümlichkeit, deren lauteres Gefäß er war, zu schöpfenwußte.
Sein enger und äußerlich so armseliger Lebenslauf ist bald erzählt. In Ar-mut geboren, das jüngste von sechs Geschwistern, verlor er den Vater, als erneun Jahre alt war. Der älteste Bruder brachte sich und die Familie mitSchneiderei fort, wobei auch der jüngste mithelfen mußte. Mehr als den geringen
Fig. 2. Modell einer Kirche.
www. Mr. 8066.
Volksschulunterricht von anno 1835hat der Junge niemals genossen, fach-liche Ausbildung von niemandweder in Schule noch Lehre er-fahren. Seine Begabung für Schnit-zerei und Mechanik soll sich schonin frühester Jugend geregt und be-wiesen haben; mit fünf Jahren bautedas Kind schon seine kleinen Mühlenim Gebirgsbach. Zehn Jahre blieber beim Militär( 1848–58), um dannals Salinenarbeiter mit 17½ KreuzerTaggeld sich fortzubringen, wobeier für die alte lahme Mutter und füreine kränkliche Schwester zu sorgenhatte. Dabei schaffte ihm seine an-geborne Schnitzkunst einen kärg-lichen Nebenverdienst, aber da er inden Händen von„ Verlegern“ war,wurden ihm seine Arbeiten mehrabgedrückt als abgekauft. Spät ersthat er einen eigenen Hausstand be-gründen können; seine Frau Dorawar die Tochter eines evangelischenLehrers, wie er selbst Prote-stant war, was bemerkt sei,da seine Kunst sich, soweitsie religiöse Motive behandelt,tatsächlich nur in der allge-meinen christlichen Überliefe-rung bewegt und vorzugsweisedie Berichte der Evangelien
ausschöpft. Ungeachtet andauernder Kränklichkeit wußte sich das wackere Paarschlecht und recht durchzukämpfen, trotzdem Johann Kieninger später( 1888)bei herannahendem Alter mit 9 Gulden monatlichem Bezug pensioniert wurdeund überdies in seinem künstlerischen Nebenerwerb von seiten der Hallstätterschwere Schädigung erfuhr. In den Achtzigerjahren hatte der Schnitzer eineReihe seiner Arbeiten im Hallstätter Museum ausgestellt und eine kleine Schnitz-figur( Fig. 1) vor seinem mühevollsten Werk, dem reizvollen Modell der Hall-stätter Kirche, diente dazu, kleine freiwillige Spenden aufzunehmen. Um 1895