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Aus allen diesen Motiven haben wir gelernt, uns mit den Werken der Volks-kunst zu befassen, sie wissenschaftlich zu studieren und ihnen die gebührendeStelle in Kunstwissenschaft und Kunstpflege zu sichern. Entsprechend dergeschichtlichen Entwicklung der volkskünstlerischen Arbeit in den Stufen desHausfleißes, der Störarbeit, der Hausindustrie mit ihrer familien- oder dorfweisebetriebenen Produktion, endlich der Handwerkerkunst, die aber noch immerim Zeichen der Volkskunst steht, werden wir uns mit sehr verschiedentlichenGestaltungen der Volkskunst zu beschäftigen haben, deren Mannigfaltigkeit nochdurch die großen Verschiedenheiten der geographischen Herkunft, zeitlichenStellung und völkischen Zugehörigkeit ihrer Urheber gesteigert wird. Von allemAnfang an werden wir dabei auf die doppelte Form und Ausprägung zu achtenhaben, in der uns die Volkskunst nach dem ganzen Kulturhergang und derVölkerverteilung in Europa entgegentritt. In den Gebieten der europäischenHochkultur, wo selbst die untersten Schichten der Bevölkerung seit Jahrhundertenan den allgemeinen Kulturgütern partizipierten und wo eine deutliche Abzweigungder Volkskunst als der Bauern- und Hirtenkunst erst seit Anfang des 18. Jahr-hunderts erfolgte, ist sie ihrem Wesen nach hauptsächlich nichts anderes alseben verbauerte und rustikal gewordene bürgerliche Kunst mit Bewahrung alt-modischer Formen derselben, gleichsam eine mundartliche Ausprägung derhöheren Kunstübung. Hieher gehört zum größten Teil die Volkskunst derRomanen, der Schweiz, Deutschlands und des westlichen Österreich. Dagegenist die Volkskunst der wirtschaftlich und kulturell rückständigen Gebiete Europasim Norden und Osten und so auch der östlichen Gebiete Österreichs gleichsameine ältere Sprachstufe der allgemeinen Kunstentwicklung überhaupt, ein Reservoiraltertümlicher Techniken und Ornamentik, ohne Gegensatzstellung zu einer ihrsozial überschichteten Kunstentwicklung.
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Aus diesen grundsätzlichen Betrachtungen ergibt sich das reichverzweigteProgramm der nunmehr ins Leben tretenden neuen Zeitschrift, welche die inmeinem Werke über die„ Österreichische Volkskunst" gegebene Grund-orientierung auf dem neuen noch wenig bearbeiteten Kunstfelde nun zu über-prüfen und weiterzuführen haben wird. Zunächst immer von österreichischemVolkskunststoff ausgehend, aber andere europäische Gebiete nicht ausschließend,werden wir in fortlaufender Reihe einen Überblick über das zu Tage getreteneMaterial in seinen verschiedenen Verzweigungen zu gewinnen suchen. Sowohidurch die Abbildungen wie deren zugehörige wissenschaftliche Behandlung imTextteil sollen in anregender Abwechslung alle Volkskunstzweige( Holzarbeiten,Keramik, Textilien, Schmiedewerke, Volksschmuck, künstlerische Volkstrachten,Zierformen des Bauernhauses usw.) zur Darstellung gelangen. Von der Fest-legung der historischen und geographischen Stilprovinzen bis zur monographi-schen Behandlung berühmter Ortsgewerbe, ja bis zu Monographien einzelner
1 Österreichische Volkskunst, aus den Sammlungen des Museums für österreichische Volkskunde,dargestellt und erläutert von Prof. Dr. M. HABERLANDT, zwei Bände, Folio. Verlag der k. k. HofkunstanstaltJ. Löwy, 1910.