DAS BAUERNHAUS
Das Siedlungsgebiet des Gottscheer Dorfes ist nicht einheitlich gewesen, es läßtsich nicht in ein Schema ,, Gottscheer Dorf" pressen.
Das Bauernhaus hat keine ihm allein zugehörige Form. Adolf Hauffen wies dar-auf hin, daß man dieselben Typen in ganz Unterkrain trifft. Er rechnet das Gott-scheer und damit das Unterkrainer Haus zum ,, Oberdeutschen Haus" und be-dient sich damit einer heute als überholt geltenden Terminologie. Er hat offenbarzu sehr das äußere Gesicht, das Baumaterial, die Dachdeckung beachtet und we-sentliche Einzelheiten zwar nicht übersehen, ihnen aber keine Bedeutung beige-messen. Freilich hat seither die Hausforschung Fortschritte gemacht. Auf AntonDachler geht wohl die Verwirrung der Begriffe in Bezug auf eine ,, GottscheerRauchstube" zurück. Für Dachler war jeder primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Wohnraum mit offenemFeuer eine ,, Rauchstube". Auf diesem Wege kamen vermutlich Hugo Grothe,Edgar Lehmann und Jörgen Hansen zu einem ,, slawischen Herd- oder Rauchstu-benhaus" bei den Gottscheern." Unkenntnis der ostalpinen Verhältnisse hat ver-mutlich diesen Irrtum möglich gemacht.
Die Gottscheer kamen aus einem Gebiet, das sowohl die Rauchstube als auch dieRauchküche gekannt hat. Wir wissen aber nicht, wie Haus und Feuerstätten inUnterkrain beschaffen waren, als die Siedler dorthin kamen.
Wir müssen das Haus von mehreren Gesichtspunkten her betrachten. Ein wesent-licher ist dabei die Beschaffenheit der Feuerstätten, außerdem der Grundriß, Ein-zelheiten der Konstruktion. Das Äußere des Hauses wird vom Baumaterial undvon den Maßverhältnissen bestimmt; in unserem Fall haben wir Steinmauerwerkund Blockbau vor uns, spät erst Ziegelbauten und selten den Ständerbau, der beiWirtschaftsgebäuden vorkommt und bei Wohnhausgiebeln, die ursprünglichverputzt waren. Sie kamen anscheinend v. a. im Osten der Sprachinsel vor. Dach-neigung und Dachhaut sind weitere prägende Faktoren. Die Dächer der Gott-scheer Bauten hatten eine Neigung von 45 Grad, waren in ältester Zeit meist mit
9) Adolf Hauffen, Die deutsche Sprachinsel Gottschee. Geschichte und Mundart, Lebensverhältnis-se, Sitten und Gebräuche, Sagen, Märchen und Lieder( Graz, 1895), S. 52 ff. Anton Dachlerin: Das Bauernhaus in Österreich- Ungarn und in seinen Grenzgebieten. Herausgegeben vomÖsterr. Ingenieur- und Architekten- Verein( Wien 1906), Textband S. 45 Ders., Karte derösterreichischen Bauernhausformen. Supplementheft VI zum Band XV, 1909, der Österr. Zeit-schrift für Volkskunde. Hugo Grothe, a.a.O., S. 114.— Edgar Lehmann, Das GottscheerHochland. Grundlinien einer Landeskunde.(= Wissenschaftliche Veröffentlichung des Mu-seums für Länderkunde 2.)( Leipzig, 1933) S 52. Jörgen Hansen, Das dörfliche Siedlungsbildin der deutschen Sprachinsel Gottschee( Jugoslawien). In: Niederdeutsche Zeitschrift für Volks-kunde 10, 1932, 110-118.
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