Tracht und Schmuck
Aus den wenigen Beschreibungen und Abbildungen der Gottscheer Tracht kön-nen wir einen beachtenswerten Bestand an überlieferten Formen und am boden-ständigen, selbstverfertigten Material ablesen. Die geographische Lage in derNachbarschaft der Weißkrainer und Kroaten und die natürlichen Gegebenheitender kargen Landschaft führten zum Festhalten am ungefärbten Material, der wei-Ben Glossar ::: zum Glossareintrag Ben Leinwand der Urtracht. Die älteste Abbildung von Gottscheer Trachten istdurch Valvasor( 1689) 27) überliefert. Die Frauentracht hat sich in ihrem äußerenErscheinungsbild nur in der Bindung des Kopftuches, die Männertracht in derHosenweite und in der Art, sie zu tragen, geändert. Daß wir das seltene Beispieleiner Jahrhunderte alten Gewandung vor uns haben, die bis an die Schwelle des20. Jahrhunderts nahezu unverändert blieb, bezeugen in erster Linie die Schnitteder einzelnen Kleidungsstücke.
Die Gottscheer trugen fast keinen Schmuck; die wenigen bescheidenen Ringeund Ohrringe waren kein wesentlicher Bestandteil der Tracht. Die Zierde derfestlichen Frauentracht bildeten das gestickte Kopftuch und die bunte seideneMasche; aber selbst diese Masche kennen ältere Beschreibungen nicht.
124. FRAUENTRACHT
Das Hemdkleid der Braut- und Festtracht( gottsch. die ochtšteaslaite pfoait)zeigt mit den in den Rockteil eingesetzten acht Zwickeln eine mittelalterli-che Schnittform, die zur Zeit der Einwanderung der Gottscheer und nochgut ein Jahrhundert später in verschiedenen Varianten in ganz Europa Mo-de war, wie Bodenfunde beweisen. 28) Das bäuerliche Erscheinungsbild desGewandes wird durch das selbst erzeugte Leinen bestimmt. Im 19. Jahrhun-dert wurde ein in der Taille angesetztes Ärmelkleid üblich, das aber dieschmale Fältelung des Rockes und die eigenartige Querfältelung der Ärmelbeibehielt. Letztere spiegelt eine noch ältere modische Eigenart wieder, diesich bereits auf romanischen Bildwerken nachweisen läßt. Aus der Mosch-nitze im Osten der Sprachinsel wird im vorigen Jahrhundert von einemzweiteiligen Leinengewand berichtet, das aus Rock und Bluse bestand, wiedie Tracht der Weißkrainerin. 29)
Die Gottscheerin kannte bis zum Aussterben ihrer Tracht um die Jahrhun-dertwende keinen Leibkittel wie die alpenländischen Trachten, sondern ver-
27) Valvasor, a.a.O., Band II, S. 300.
28) Maria Kundegraber, Die Gottscheer Frauenfesttracht, ein Relikt mittelalterlicher Mode. In:Waffen- und Kostümkunde 3. Folge, Bd. 12, 1970, S. 19-31.
29) Fran Kidrič, Donesek k zgodovini kočevske narodne pesmi. In: Carniola N. F. 3, 1912, 28-43.
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