EINLEITUNG
Das Patriachat Aquilea war nicht nur kirchlicher Verwaltungsbereich, sondernauch staatliches Herrschaftsgebiet, der Patriach zugleich Reichsfürst. Die Drau-grenze im Norden, 811 festgelegt, hinderte nicht die Einsetzung deutscher Pa-triarchen durch mehrere Jahrhunderte; sie kamen vor allem aus Kärnten, Salz-burg, Bayern, Schwaben, dementsprechend vergaben sie auch die weltlichen Le-hen in ihrem Besitz. Graf Ulrich I. von Ortenburg bekleidete das Amt des Pa-triarchen von 1130 bis 1132, wurde aber vom Papst nicht bestätigt. Er war offen-bar schon vor dieser Ernennung durch den Kaiser und nachher bis zu seinem Tod1176 Probst und Erzdiakon von Aquilea und wurde so zur Schlüsselfigur der Ver-bindung der Kärntner Grafenfamilie mit dem Patriarchat. Zu seiner Zeit, ver-mutlich unter Patriarch Peregrin I.( 1132-1161) wurden die Ortenburger mitBesitz in Krain belehnt.
Die Besiedlungsgeschichte Gottschees wurde in den letzten Jahren neu beleuch-tet; sie wird im Zusammenhang mit der Zeitgeschichte beurteilt und damit in ei-nen größeren politischen Rahmen gestellt, auch die Möglichkeit einer direktenEinflußnahme des Patriarchats auf die Ansiedlung von Menschen in einem Land-strich, der bis dahin keinen Ertrag brachte, betont. In einem Teilungsvertrag zwi-schen Friedrich II. und seinem Bruder Heinrich III. von Ortenburg aus dem Jahre1263 wird das Schloß ,, Reivenz mit Zugehörungen bis zu dem Wasser, das insge-mein Chulp genannt wird" erwähnt. Das bedeutet, daß Reifnitz einschließlichdes späteren Siedlungsgebietes der Gottscheer bereits zum Lehensbesitz der Or-tenburger gehörte." Nach dem Aussterben einer Linie ist 1276 der Besitz wiederin einer Hand vereinigt worden.
Erich Petschauer führt in seinen auszugsweise in der Gottscheer Zeitung abge-druckten Forschungen 2) aus, daß die ortenburgische Kolonisation sich über einenlängeren Zeitraum hingezogen haben muß. Er kommt dabei auf zwei Siedlungs-phasen. Die erste, vor 1330, ging von außen nach innen und diente in erster Linieder Sicherung der Kulpagrenze im Süden und Südosten, erste Vorstöße in das In-nere sind nicht auszuschließen. Diese ersten Siedlergruppen wären gemischtspra-chig gewesen und seien seit etwa 1310 eingesickert. Den Beginn der zweiten Be-siedlungsphase setzt Petschauer um 1336 an. Am 17. Juni dieses Jahres hat Pa-
1) Erich Petschauer, Alle Spuren führen nach Kärnten. Die geschichtlichen Hintergründe derBesiedlung von Gottschee. Dokumentation und Kommentar. In: Gottscheer Zeitung 67( 54)1970, F. 10 bis 69( 56) 1972, F. 10( Beilage ,, Geschichte und Kultur der Gottscheer" Nr. 19 bis43.)
2) Erich Petschauer, a.a.O.
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