Forschungsstand
Im Jahre 1689 erschien in Laibach und Nürnberg Johann Weichard ValvasorsWerk ,, Die Ehre des Herzogthums Krain" in vier umfangreichen Bänden. DieAbschnitte über Gottschee sind als die frühesten Quellen zu einer ,, Volkskunde"der alten deutschen Sprachinsel anzusehen. Es werden eine große Zahl von Pfar-ren mit ihren Kirchen und die Orte genannt, denen Angaben über die hausindu-strielle Holzwaren- Erzeugung beigegeben sind. Das Werk enthält auch die ältesteAbbildung von Gottscheern in ihrer schon damals altertümlich anmutendenTracht.
Nach Valvasor vergingen über hundert Jahre bis ein typischer Mann seiner Zeit,Belsazar Hacquet de Lamotte, der die Anregung für seine Forschungen aus derNaturwissenschaft bezog, in einigen seiner Publikationen über Gottschee und dieGottscheer berichtete. Seinen Angaben müssen wir allerdings im Gegensatzzu denen Valvasors- mit vorsichtiger Zurückhaltung begegnen. Er hat offenbar,obwohl er Krain kreuz und quer durchwanderte, Gottscheer Gebiet nur am Randeberührt. Das geht aus seinen Bemerkungen über die Sprache der Gottscheerdeutlich hervor. Allerdings verdanken wir den Illustrationen seiner Werke wiedereinige Abbildungen von Gottscheer Trachten. So ist seiner ,, Oryctographia Car-niolica" eine Landkarte beigegeben, auf der u.a. ein Gottscheer Paar dargestelltist, das auf die Abbildungen bei Valvasor zurückgehen dürfte. Selbständiger sinddie beiden kolorierten Stiche in ,, Abbildung und Beschreibung der Südwest- undöstlichen Wenden, Illyrer und Slawen," Leipzig 1801.
Volkslied und Tracht haben neben der Sprache interessierte Laien und Forscher ammeisten angesprochen. Der Reifnitzer Herrschaftsbesitzer Josef von Rudesh veröf-fentlichte 1823 einen Aufsatz mit einigen Liedern, 1854 bis 1857 folgte V. F.Klun mit mehreren Arbeiten, 1862 Theodor von Elze mit seiner kleinen Mono-graphie. Im Jahre 1838 hat der Pfarrer von Mösel, Michael Wolf, für den in Lai-bach lebenden polnischen Forscher Emil Korytko Gottscheer Volkslieder aufge-zeichnet und die Tracht beschrieben. Der Briefwechsel und die Lieder wurden1912 durch Fran Kidric veröffentlicht. Mit Karl Julius Schröer setzte nach 1865die systematische Erforschung Gottschees ein. Schröer war Germanist. Er sammel-te neben dem Wortschatz für ein Gottscheer Wörterbuch auch zahlreiche Volks-lieder. Durch ihn wurde das Interesse für Gottschee in weiteren Kreisen gewecktund die Diskussion über die Herkunft der Gottscheer kam in wissenschaftlichexakte Bahnen. Schließlich sei das wertvolle Buch des Prager Germanisten AdolfHauffen, eines gebürtigen Laibachers genannt, das 1895 erschien und als ersteVolkskunde Gottschees anzusprechen ist. Hauffen berücksichtigte neben Ge-schichte und Mundart bereits Haus und Tracht, die Volksbräuche, Sagen, Mär-
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