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Sonderausstellung Volkskunde der Gottscheer : die Sammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde aus der ehemaligen deutschen Sprachinsel Gottschee in Slowenien ; Katalog
Entstehung
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Holzwaren- Erzeugung

Durch das karge Land und die begrenzte Ausdehnungsmöglichkeit landwirt-schaftlich nutzbaren Bodens wurden die Gottscheer früh gezwungen, sich nachVerdienst außerhalb der Landwirtschaft umzusehen. Sie fanden sie einerseits imHausierhandel, dem sie seit 1492 auf Grund eines Patentes Kaiser Friedrich III.nachgehen durften. Dieses Patent erlaubte den Handel mit ihrem Vieh, ihrerLeinwand ,, und anderen Erzeugnissen". Es wird allgemein vermutet, daß sichdarunter auch schon selbst erzeugte Holzwaren befanden. Rohmaterial, nämlichHolz, war in unerhörter Fülle und Auswahl in den Gottscheer Wäldern vorhan-den. Übrigens waren die Gottscheer nicht die einzigen Hausierer und Holzware-nerzeuger in Krain. Die nördlich der Herrschaft Gottschee um Reifnitz( Ribnica)wohnenden Slowenen beschäftigen sich heute noch mit der Erzeugung von Sie-ben, Schaffen, Kochlöffeln, Holzschaufeln u.ä. und auch nach dem ZweitenWeltkrieg kamen wieder Reifnitzer Siebhausierer nach Österreich. Valvasor nenntin seiner ,, Ehre des Herzogtums Krain" 1689 nicht weniger als 16 Gottscheer Or-te, welche ,, von den gleichen Handwerkern bewohnt" werden wie Alt- Kirchen( Mitterdorf bei Gottschee): ,, Alt Kirchen steht in Gottschee. Der Einwohner die-ses Dorfes redet Gottscheerisch, welches eine eigene Sprache ist. Es hausen vielhöltzerne Teller- und Schüsseln- Macher daselbst, wie auch solche Arbeiter, wel-che Scatullen( oder Schachteln) Bütschelein, Sieber, Reiter, Mülterlein verferti-gen, oder sonst allerley Holtz verarbeiten, und solche Arbeit hernach sowohl aufdem Puckel als auch bißweilen auf dem Rößlein nicht allein auf dem gantzenLande herum sondern auch weit in andre benachbarte Länder tragen." BeiLangenton erwähnt Valvasor die Schindelmacher. 18) Bis ins 19. u. 20. Jahrhunderterzeugten die Gottscheer Holzgebinde: Schaffe, Butten, Wannen, Eimer, Butter-fässer und Melkeimer, besonders aber kleinere Ware: Putscherlein, Schafferln,gewöhnlich aus verschiedenen Hölzern, wie Fichte, Kirsche, und Rüster. Auchverfertigten sie Löffel, Kochlöffel, Kornschaufeln und Mulden. In Mengen mach-ten sie Brotschaufeln, Rechen, Heugabeln, Sensen- und andere Stiele; dazu Och-senjoche, Wetzsteinkumpfe, Pflüge, Mostpressen, Löffelbehälter, Schüsselreh-me, Truhen und Schachteln. Die Holzgegenstände wurden wie zu Valvasors Zei-ten von einheimischen Verkäufern durch Hausieren und auf den Märkten in dernäheren Umgebung, hauptsächlich aber in Kroatien abgesetzt. Ein Großteil derWaren ging auch nach Triest.

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Janko Trošt, der Erforscher der Reifnitzer Hausindustrie, lobt die sorgfältige undsauber Ausarbeitung der Gottscheer Holzwaren. 19)

18) Valvasor, a.a.O., Band I, Seite 214.

19) Janko Trošt, Ribniška suha roba v lesni domači obrti. In: Slovenski etnograf 3/4, 1951, S.

28-67.

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