ARBEITSGERÄT
Über das Arbeitsgerät der Gottscheer gibt es fast keine Publikationen. Aufzeich-nungen über den Bestand, das Aussehen, die Verwendung einzelner Geräte lie-Ben das Bild einer vielfältigen Bauernkultur erstehen, die für jeden Arbeitsvor-gang besondere Geräte zur Verfügung hatte, variiert nach der Landschaftsgestaltinnerhalb der Sprachinsel und nach den wirtschaftlichen Verhältnissen. DieseVielfalt verdanken die Gottscheer der Tatsache, daß sie nicht nur Bauern waren,sondern im Wald, obwohl ihnen nur der geringste Teil persönlich gehörte, durchHausindustrie zusätzliche Beschäftigung fanden.
Das ist der Grund für eine Vielzahl von Behelfen zur Bearbeitung von Holz undfür die Tatsache, daß die Gottscheer wegen ihrer Geschicklichkeit in der Holzbe-arbeitung bekannt waren. Es ist kein Einzelfall, daß man einem Gottscheer nach-sagte: ,, Jedes Stück Holz wird in seiner Hand zu etwas.'
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Adolf Hauffen spricht in seiner schon mehrfach zitierten Gottscheer Volkskundevon ,, schmalen, spitzigen sogenannten Gottscheerpflügen", die er dem spätereingeführten ,, deutschen Pflug" mit der breiten Schar gegenüberstellt. DerGottscheer Pflug( ,, dar aute pflüeg") war fast ganz aus Holz gemacht, der deut-sche Pflug hingegen größtenteils aus Eisen; er stand zuletzt fast allein inVerwendung 13). Leider wird uns über sein Aussehen keine nähere Angabe ge-macht. Wir dürfen aber annehmen, daß es sich auch bei ihm um einen einschari-gen Beetpflug handelte, wie beim alten Pflug, der vor allem bei den Bewohnernder Walddörfer noch in Erinnerung blieb.
Verhältnismäßig gut ließen sich Beschreibungen der Gottscheer Egge( gottsch. et-te aus mhd. egede) sammeln, außerdem konnten noch mehrere alte Eggen foto-grafiert werden, die uns zeigen, daß im ganzen Bereich die Queregge üblich war;nur ausnahmsweise wird eine Längsegge erwähnt. In der Regel waren die Eggen-rahmen( gottsch. ettngotter) schmal und leicht, vorne offen oder geschlossen undmit vier bis fünf Querbalkan( laistlain) versehen. Meistens hatte man eiserne Eg-genzähne( ettntsende, ettnnāgle), selten hölzerne Zähne, die aber nicht fest imRahmen steckten, vielmehr beweglich waren. Die schmalen Eggen waren in derKarstlandschaft mit den steinigen Äckern zweckmäßig; sie waren bis zu 130 cmlang, bis zu 120 cm breit, vielfach aber wesentlich schmäler.
Die Ackerwalze( Gottsch. belgar, welgar) wird gelegentlich erwähnt, auch in ein-zelnen Fällen ein Setzrechen( gottsch. šluakar), mit dem die Furchen zum Mais-und Erdäpfelsetzen gezogen wurden.
13) Adolf Hauffen, a.a.O., S. 36.
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