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Sonderausstellung Volkskunde der Gottscheer : die Sammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde aus der ehemaligen deutschen Sprachinsel Gottschee in Slowenien ; Katalog
Entstehung
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Jagdzeug

Gottschee war und ist ein wildreiches Gebiet, in dem eine Vielzahl von Tierartenvorkommt, auch solche, die heute in Europa selten sind. In der mündlichenÜberlieferung werden viele Bären- Geschichten erzählt. Dem Bauern war freilichdie Jagd auf die großen Wildarten verwehrt. Er mußte sich damit begnügen,schädliches Wild zu fangen, wozu Fallen benützt wurden.

Das wichtigste Jagdtier der Gottscheer war der Bilch oder Siebenschläfer( Glis glis[ L.]). Er ist ein kleines Tier aus der Familie der Nagetiere und lebt vornehmlich inBuchenwäldern, in denen er seine wichtigste Nahrung, die Bucheckern, findet.So wechselt seine Häufigkeit auch mit den Bucheckernjahren. Das scheue Tier,das sich tagsüber in hohlen Bäumen und Gruben verbirgt, geht nachts auf Nah-rungssuche. In Gottschee, wie auch sonst in Krain und in der slowenischen Unter-steiermark, jagt man ihn noch heute sowohl wegen seines Felles, aus dem dieBilchkappen gemacht werden, als auch wegen des wohlschmeckenden Fleisches,wenn auch nicht mehr in so großer Zahl wie einst. In Österreich ist der Bilchstreng geschützt und darf nicht gefangen werden.

Auf Bilchfang( pilichvuhn) ging man im Oktober, wenn die Bilche besonders fettund schmackhaft sind. Die Fallen wurden nachts in die Bäume gehängt. EifrigeJäger leerten die Beute mehrmals in einer Nacht aus, andere begnügten sich da-mit, in jeder Falle einen Bilch zu fangen. Das Bilchfangen konnte auch zu einergeselligen Angelegenheit werden, wenn sich mehrere Männer und Burschen zu-sammentaten und die ganze Nacht an einem Feuer im Wald blieben; die Zeitwurde mit Erzählen und Singen verbracht, zwischendurch die Fallen( pilich-mattslain) geleert. 16)

Die Bilche spielen auch in Sage und Aberglaube eine Rolle. Schon Valvasor schil-dert diese Vorstellungen in seinem Werk und fügt ihnen eine Illustration bei, diezeigt, wie der Teufel nach damaligem Aberglauben die Bilche auf die Weidetreibt. 17)

16) Ludwig Kren, Pilichmatslain shetsen. In: Gottscheer Zeitung 65( 52) 1968, F. 10, S. 4.- HansJaklitsch, Der Bilchfang. In: Gottscheer Zeitung 74( 61) 1977, F. 10, S. 8.

17) Johann Weichard Freiherr von Valvasor, Die Ehre des Herzogthums Krain( Laibach- Nürnberg,1689), Band I, Seite 437 ff.

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