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Sonderausstellung Volkskunde der Gottscheer : die Sammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde aus der ehemaligen deutschen Sprachinsel Gottschee in Slowenien ; Katalog
Entstehung
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Möbel und Hausrat

Die Möbel im Gottscheer Bauernhaus waren verhältnismäßig bescheiden. AußerTisch, Bank und Sessel, Bett und Wiege gehören vor allem Truhen zur Ausstat-tung eines Hauses. In der Stube befand sich in der Regel darüber hinaus eineUhr, ein Spiegel und oft ein Gläserkasten( gležrkošte), im ,, Haus"( Vorhaus undKüche zugleich) ein Almer( dromarle, aus lat. armarium) als Vorratsbehälter fürMilch, Butter, Mehl u. a. Lebensmittel. An der Wand hing der Schüsselrehm( šisslvosse) mit Schüsseln und Tellern. 23) Als Behälter für Kleider und Wäschedienten Truhen, erst in später Zeit wurden aus dem bürgerlichen Haushalt Kä-sten und Schubladkästen übernommen. Wir wissen vom Vorhandensein von al-tertümlichen Eckstollentruhen mit geradem oder dachförmigem Deckel. Sie wa-ren in der Regel aus gespaltenen Buchenholzbrettern zusammengesetzt und ver-hältnismäßig klein; die Länge maẞ etwa 80 cm, die Breite etwa 45 bis 50 cm. Diejüngeren Truhen waren kistenförmig gemacht, die Ecken verzinkt, als Füße dien-ten Leisten, die auch etwas vorstehen konnten. Sie wurden gestrichen, kostbarerewaren aus Kirschholz, nur ausnahmsweise waren sie mit Heiligenbildern und Blu-men bemalt. Die Braut bekam auch noch in jüngerer Zeit mit der Aussteuer eineTruhe( šrain, truge); man erzählt, daß ihre Länge etwa 120 cm, ihre Breite etwa70 cm betrug. Meistens beließ man das Holz in seiner natürlichen Schönheit, sehrselten kamen Einlegearbeiten oder einfache Schnitzereien hinzu. Innen hatte die-se Truhe eine kleine Lade für Schmuck. Bewahrte man Kleider und Wäsche in ei-ner Truhe auf, hatte diese mitunter eine verdeckte Lade. Koffertruhen warenebenfalls bekannt; sie dürften durch die ,, Amerikaner"( Gottscheer, die nachAmerika ausgewandert waren und mit ihren Ersparnissen zurückkamen) aufge-kommen sein.

Die Tische hatten in früherer Zeit schrägstehende Füße, die unten mit Leisten,, zusammengebunden waren. Die Tischplatte wurde aus 5 cm dickem Ahorn-holz gemacht; in ihrer Mitte war aus dunklerem Holz der ,, süße Name Jesu"( IHS) eingelegt. Zuletzt erzeugte man nur mehr Tische mit geraden Füßen; aus-gesucht schönes Holz schätzte man und vereinzelt kannte man sogar Ausziehti-sche.

Kleiderkästen und Schubladkästen hatten städtische Form, waren einfach gestal-tet, öfter aus poliertem Kirschholz.

Zu den Erzeugnissen der Gottscheer Hausindustrie gehörten die Wiegen, dienicht nur für den eigenen Bedarf, sondern auch für den Verkauf hergestellt wur-den; sie kamen vor allem in Weißkrain und Kroatien auf den Markt. Diese quer-

23) Hauffen, a.a.O., S. 57 f.

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