VORWORT
Was im Jahre 1930 noch mit einem Festbuch» 600 Jahre Gottschee<< alsGründungs- und lebendiges Bestandsjubiläum der einzigen zusammenhängenddeutsch besiedelten Landschaft in Krain( jugoslawische Banovina Drau) gefeiertworden ist, kann 1980, da zum 650jährigen Gedenken des Gottscheer Landesvom Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien gemeinsam mit den Eth-nographischen Museum Schloß Kittsee( Burgenland) und dem SteiermärkischenLandesmuseum Joanneum/ Steirisches Volkskundemuseum, Außenstelle Stainz( Steiermark) ein besonderer musealer und wissenschaftlicher Akzent gesetzt wer-den soll, nur mehr Gegenstand geschichtlicher Rückerinnerung sein. Als Folgedes Nationalismus des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde dasSchicksal der an der Wende vom Hohen zum Spätmittelalter entstandenen Bau-ernansiedlungen mit dem kleinstädtischen Mittelpunkt Gottschee durch den völ-kermordenden Zweiten Weltkrieg besiegelt. Die Grafen von Ortenburg in Spittalan der Drau als Lehensnehmer der Patriarchen von Aquileja haben das GottscheerLand mit seinen 178 Ortschaften im Urwald im Südosten Krains, zwischen Reif-nitz und Kulpa, dem Grenzfluß zwischen Slowenien und Kroatien, hauptsäch-lich mit Bauersleuten aus Oberkärnten und aus dem heutigen Osttirol besiedelt.Seit 1623 ist Gottschee Grafschaft, und 1791 wurde sie von Kaiser Leopold II.zum österreichischen Herzogtum erhoben. Auf Grund des deutsch- italienischenUmsiedlungsvertrages von 1941, der die Aussiedlung von rund 12.000 deutschenGottscheern in das Savegebiet bewirkte, wurde die mittelalterliche deutsche Aus-sensiedlung und Sprachinsel ausgelöscht. Nach der Vertreibung von 1945 aus Ju-goslawien leben die einstigen Bewohner der Gottschee und ihrer Nachkommenmeistens in Österreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Die beschreibende und analysierende wissenschaftliche Kenntnisnahme des Lan-des und des Volkes in der Gottschee hat durch diese schicksalhafte Wendung derjüngsten Vergangenheit beträchtliche Anstöße erfahren und wird im heurigenGedenkjahr zu einer Reihe von Veröffentlichungen besonders auf dem Gebietder Volkskunde führen. Allein die Ansätze dazu sind beträchtlich früher zu su-chen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts, im Gefolge der barocken Sammellustund wachsender rationalistischer Einstellung, entsteht bereits das großartigeWerk» Ehre des Herzogthums Krain«( 1689) des landadeligen Zeitgenossen Jo-hann Weichard Freiherr von Valvasor, der neben allen historischen und natur-kundlichen Erhebungen eine gewissenhafte Sittenbeschreibung der verschiede-nen Volksgruppen und unter ihnen der deutschen Gottscheer gibt. Die eigentli-
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