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Volkskunst im Zeichen der Fische : Ausstellung im Prämonstratenserstift Geras ; Katalog
Entstehung
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Steingutgeschirr herstellten 239. Im Biedermeier bemühte man sich allerorts,so auch vielfach in Altösterreich, derartige Geschirrerzeugungen einzu-führen. Aber erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kam dieses Steingut-geschirr stärker in Aufnahme, als die deutschen, französischen und engli-schen Fabriken überallhin exportieren konnten. Wesentlich für die wach-sende Beliebtheit des Steingutgeschirres war seine Verzierung: Durch dasAbziehen von Stahlstichen auf das Geschirr, über die noch die Glasur kam,entstand das Bildergeschirr", das bis Ende des 19. Jahrhunderts und dar-über hinaus in die Haushalte Eingang fand 240.

Porzellan und Steingut- Bildergeschirr brachten Fischerei- Motive inweit höherem Maße mit sich als vordem die Hafnerkeramik und dieMajolika. Die weltweit verhandelten Geschirre waren in ihrer Bilddar-bietung durchaus weltlich, da gab es keine religiösen Motive mehr, keinesinnbildlich zu verstehenden Fisch- Darstellungen, sondern Landschafts-bilder, nicht selten eben Fluß-, Teich- und Seenbilder mit Fischern. Da dieLandschaftsbilder, mitunter Ansichten von Burgen und Schlössern, aus derspätromantischen Sicht heraus gestaltet waren, fügten sich Boote auf denTeichen, Fischer am Strand als Vordergrund- Figuren nicht schlecht ein. DieAnregungen von Wedgewood machten sich bemerkbar, man bemühte sich inFrain 241 ebenso wie in Alt- Rohlau bei Karlsbad 242 um derartige Motive.Von den ausländischen Firmen kamen die Anregungen zu fremd anmuten-den, offenbar als reizvoll empfundenen Fischerei- Motiven dazu: italieni-sche Seenmotive, sogar angelnde Chinesen auf stilisierten Parkbrücken 243.Damit konnten Teller wie Kaffeekannen, Zuckerdosen wie Henkeltassengeschmückt werden. Die schwarzgrauen, oder auch grünen oder roten abge-zogenen Stiche brachten eine ganze neue Bilderwelt in die Häuslichkeit.

Es war zweifellos nicht die erste Pflicht der Volkskundemuseen desausgehenden 19. Jahrhunderts, diese Fabriksware zu sammeln. Sie hob sichvon der schlichten Hafnerkeramik ebenso ab wie von der eigentlich erstentdeckten Volksmajolika, mit der man sich auf Grund der Sammlungs-bestände jahrzehntelang beschäftigen konnte. Aber dieses Bildergeschirr gabes eben doch in den städtischen wie in den ländlichen Haushalten, und sowurde es gewissermaßen stichprobenmäßig allmählich mitgesammelt. Zah-lenmäßig kleine Bestände aus den verschiedensten Landschaften, in denenman sammlerisch einen Querschnitt zu schaffen versucht hatte, ermöglichen

239 Gustav Otruba, Vom Steingut zum Porzellan in Niederösterreich.Eine Firmenfestschrift zum 170jährigen Bestand des Werkes Wilhelmsburg derÖspag. Wien 1966.

240 Hanna Kronberger- Frentzen, Altes Bildergeschirr. Bilderdruckauf Steingut aus süddeutschen und saarländischen Manufakturen. Tübingen 1964.241 OMV 26.001, 5071 u. ö.

242 OMV 44.342 u. ö.

243 OMV 71.001.

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