Gebieten der Kunstgeschichte, der Archäologie des Mittelalters und derVolkskunde 109. In immer erneuten Ansätzen wurden Beispiele für dieseArt der Darstellung zusammengetragen, von mittelalterlichen Reliefs biszu neuzeitlichen Wirtshausschildern. Die geglückte Komposition, drei Hasenin einem Kreis so darzustellen, daß die Ohren aneinanderstießen, so daßzwar jeder Hase zwei Ohren hatte, aber doch alle zusammen nur drei, ließnach Lösungen in der christlichen Symbolik wie in der außerchristlichenReligionsgeschichte und Mythologie suchen. Das spielerische Element ander Gestaltung, das für Romanik und Gotik ganz offenbar gegeben war,wurde weniger beachtet. Da verwies man lieber auf Mondmythologie oderauf Osterei- Bemalung, ohne besondere Beachtung der eventuellen zeitlichenund landschaftlichen Zusammengehörigkeiten 110.
Der Zugriff von Karl von Spieß, der archäologische, kunstgeschicht-liche und volkskundliche Materialien gleichermaßen zu überschauen trach-tete, brachte diese Schüsseln noch einmal bedeutsam zur Geltung 111. Auchfür ihn war der eventuelle Inhalt, die Bedeutung der Darstellung dieHauptsache, aber er versuchte immerhin, seine Gedankengänge geschicht-lich zu vertiefen. So war er der einzige, der darauf hinwies, daß sich inÄgypten wenigstens ein Zeugnis, nämlich eine Fayenceschüssel gefundenhatte, die immerhin ein ähnliches Motiv brachte. Auf der Schüssel, derenDatierung nicht feststeht, sind drei Fische so zusammengeordnet, daß sieeinen gemeinsamen Kopf haben, ein Dreieck, in dem sich für alle drei nurein Auge findet 112. Dieser„ grünglasierte ägyptische Tonteller", der wohlam ehesten aus ägyptischer Spätzeit stammen könnte, kann selbstverständ-lich durchaus eine eigene Bedeutung, vielleicht einen religiösen Sinn haben:Eine bildliche Dreieinigkeitsformel, bei der man am ehesten an frühesChristentum denken wird;„ Die drei sind Eins" mag hier ausgedrückt sein,wenn auch nicht weiter zu erklären ist, wieso alle drei Personen der Gott-heit als Fische erscheinen. Vielleicht hat es im Mittelmeerbereich in alt-
109 Hugo Hepding, Drei Hasen mit zusammen nur drei Ohren( Hessi-sche Blätter für Volkskunde, Bd. XXX- XXXI, 1931-32, S. 228).
Dazu die Ergänzung: Friedrich Mößinger, Drei Hasen mit zusammennur drei Ohren( ebd., Bd. XXXII, 1933, S. 99).
Albert Becker, Drei Hasen mit drei Ohren( ebd., Bd. XXXIII, 1934,S. 103).
Holger Rasmussen, Tre harer med tre ører( Ting og Sager fraOdsherred. Odsherreds Folkemuseum 1971, Dänemark, Sonderdruck 8 S.).
110 G. Friedrichs, Die drei mythischen Hasen und ihre Verwandten anKirchen und anderen Gebäuden und Hasen in Märchen und Sagen( Mannus, Bd.XVIII, Leipzig 1926, S. 309 ff. Mit einem Nachtrag von Gustaf Kossinna).
Kritisch behandelt von Wilhelm Jesse, Beiträge zur Volkskunde. Ikono-graphie des Hasen( in: Volkskunde- Arbeit. Festschrift für Otto Lauffer, hg. ErnstBargheer und Herbert Freudenthal. Berlin 1934, S. 158 ff.).
111 Karl von Spieß, Bauernkunst. Ihre Art und ihr Sinn. Wien 1925,S. 123, Abb. 69.
112 Spieß, ebd., Abb. 70.
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