,, Goldenen Schlössels" gebaut wurde 97. Der Bau von 1834, der überm Tordas Wappen der Gräfin Theresia Gourcy- Droitaumont trägt, weist überden Fenstern des ersten Stockwerkes die ganze Serie der Tierkreiszeichenin Stuckreliefs auf 98. Damals, 1834, hat also die Erbauerin sich das ganzeHaus unter den Schutz des astrologisch gegliederten Himmels gestellt. Daszweite Medaillon von links weist gleich das Zeichen der Fische auf, diebeiden übereinander gegengleich schwimmenden Fische also.
Damit steht das ,, Kleine Schlössel" in einer großen Tradition. Die zweiFische des Tierkreiszeichens, durch die Kalenderbilder allgemein bekannt,haben in der Volkskunst in ganz verschiedener Weise ihren Niederschlaggefunden. An einem gotischen Pfeiler der Pfarrkirche von Längenfeld imÖtztal, Tirol, findet sich dieses Zeichen eingemeißelt, und man könnte esfür ein Haus- oder Familienwappen nehmen 99. Immerhin läßt sich damitdie Tatsache verbinden, daß vermutlich seit dem 16. Jahrhundert Möbelgetischlert und bemalt wurden, die regelmäßig an einer Stelle, meist aufdem Sockel, zwei gegeneinander schwimmende Fische aufweisen. Mitunter,so auf einer Truhe aus dem 17. Jahrhundert, sind es drei Fische 100. Ver-wandte Truhen mit dem Fisch- Zeichen gibt es auch aus dem Pitztal. Ob dieTischlermaler damit ein Werkstattzeichen geben wollten, oder ob sie aufWunsch der Besteller das Möbel unter den Schutz des Tierkreiszeichensstellen sollten, läßt sich offenbar nicht mehr sagen. Auch die anderen Werkeder Volkskunst, die deutlich das Tierkreiszeichen der Fische aufweisen,lassen die Meinung der Besteller und Hersteller nicht mehr erkennen. Aberes war und ist bekannt, daß dieses Zeichen der Fische, wie Petronius esausdrückte, ihre irdischen Abbilder beherrscht 101.
Und so finden sich denn die zwei Fische gelegentlich auf Majolika-schüsseln, einerseits im Westen in Portugal 102, anderseits im Osten inRumänien 103, beidemal wohl aus dem 18. Jahrhundert. Ob man bosnischeSeidenstickereien mit dem gleichen Motiv hierher zählen darf, erscheintwohl fraglich 104. Geschnitzte Doppelfische kommen vor, beispielsweise bei
97 Hans Rotter, Die Josefstadt. Geschichte des 8. Wiener Gemeinde-bezirkes. Wien 1918, S. 412.
98 Emmerich Siegris, Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder.Wien 1924, S. 96.
99 Leopold Schmidt, Bauernmöbel aus Süddeutschland, Österreich undder Schweiz. Wien- Hannover 1967, S. 176.
100 Franz Colleselli, Tiroler Bauernmöbel. Innsbruck 1967, Abb. S. 64,65 und 63( 3 Fische).
101 Viktor Stegemann, Art. Sternbilder I( Handwörterbuch des deut-schen Aberglaubens, Bd. IX/ 2, Sp. 667, 673).
102 Helmut Th. Bossert, Volkskunst in Europa, Taf. LV/ 9.
103 Barba Slatineanu, Paul H. Stahl und Paul Petrescu, Artapopulara in Republica populara Romina. Ceramica. Bukarest 1958, Farbtaf. XIII.104 Helmut Th. Bossert, Volkskunst in Europa, Taf. LXXIX/ 15.
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