gebäcke, sondern auch für Hochzeitsgebäcke verwendet wurden, wobei manda wie dort den Fischen offenbar die Bedeutung von Glücksbringern zumaẞ.
Eine Überschau über die eventuelle Verbreitung dieser Formen zeigt,daß zumindest der österreichisch- süddeutsche Raum hier recht gleichmäßigbeteiligt war. Zu Modeln aus Steiermark 73 und aus Tirol 74 treten welcheetwa aus Wunsiedel in Oberfranken 75 oder auch aus Baden 76. Nach demSüden zeigt sich Oberitalien an dieses Verbreitungsgebiet mit einem Belegaus Treviso ebenso angeschlossen 77, wie dies bei den tönernen Backformenmit den Belegen aus Ragusa für Dalmatien der Fall war. Man darf dabeinicht übersehen, daß eben einstmals, auch noch im 19. Jahrhundert, Trevisoebenso wie Ragusa innerhalb der großen alten Donaumonarchie gelegen
waren.
Der Lebzeltenfisch ist von allen Fischgebäcken am bekanntesten ge-blieben, weil er in Großstädten wie Wien, aber auch sonst weithin, einfachzum Silvester- und Neujahrbrauch dazugehört 78. Man bäckt ihn nichtmehr selbst, auch die Bäcker formen ihn nur mehr selten, aber die großenBrotfabriken lassen es sich nicht entgehen, Jahr für Jahr für Silvester dieleichten Fischlein schachtelweise zur Verfügung zu stellen, die dann ge-wissermaßen rituell gegessen werden, beim Schwanz angefangen,„, um dasganze Jahr vorwärts zu schwimmen", wie man dabei gern betont 79. DieLebzeltenfische aus den alten Modeln sind offenbar nicht nur zu Neujahr,sondern auch zu anderen Festen gebacken und verspeist worden. Die Model,die sich aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert erhalten haben, zeigen inder Regel Einzelfische 80, wie etwa ein gutes, aus Niederösterreich stam-mendes Stück von 1762. Ähnliche Stücke, wohl auch noch dem 18. Jahr-hundert angehörig, kommen aus Oberösterreich 81. Kleinere, die man viel-leicht als Marzipanmodel bezeichnen könnte, stammen aus dem heutigenBurgenland, wurden aber wohl im westungarischen Ödenburg geschnitztund verwendet 82. Und auch bei den Deutschen in Böhmen und Mährenhat es derartige Fischmodel gegeben, wie Stücke aus dem Kuhländchen
73 Maria Kundegraber, Backmodel aus Bauern- und Bürgerhäusern(= Steirisches Bauernmuseum, Kat. Nr. 1). Stainz 1975, Nr. 62 mit Abb.74 OMV 53.479.
75 Josef Ritz, Franken(= Deutsche Volkskunst, Bd. VI). München( 1926), Abb. 125/1.76 Helmut Th. Bossert, Volkskunst in Europa. Berlin 1926, Taf. XXIX/
19.
77 Paolo Toschi, Arte popolare Italiane. Rom 1960, Abb. 368.78 Karl von Spieß, Grundlinien einer Formen- und Gestaltenkunde derGebildbrote( Jahrbuch für historische Volkskunde, Bd. III/ IV, Berlin 1934, S. 412).79 Leopold Schmidt, Wiener Volkskunde. Ein Aufriß( Wiener Zeit-schrift für Volkskunde, Ergänzungsband XVI). Wien und Leipzig 1940, S. 60.80 OMV 1362.
81 OMV 35.361 a, 35.369 a.
82 OMV 13.565.
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