Der mehr oder minder unreligiösen, außerhalb des Bereiches der Kon-fessionen vorhandenen Volkskunst ist sicherlich nicht selten ein religiöserBereich gegenübergestanden. Was Karl von Spieß so leise anklingen ließ,das christliche Element am Fische- Motiv, das hat es gegeben, und zwar auchin größerem Umfang als bisher gedacht. Wieder ist das Gebiet des Speise-wesens heranzuziehen, es ist daran zu denken, daß das Essen von Fischen,von wirklichen wie von nachgebildeten in der christlichen Tradition tiefeingewurzelt war und durch die Fischzucht in den Gewässern der Klösterim Mittelalter stark gefördert wurde 15. Die Fischteiche und Fischkalterder Klöster wurden zu Vorbildern der gesamten späteren Fischhaltung. DieFischteiche des Stiftes Geras, die 1729 so erfreulich deutlich von JohannRudolph Mohr zur Darstellung gebracht worden waren 16, hatten undbehielten ihre Funktion. Von der dinglichen und künstlerischen Auswirkungdieser Verhältnisse ist uns leider bisher viel zu wenig bekannt, da könntenoch eine neu angereicherte Forschung einsetzen. Jedenfalls wurde dasFasten an gebotenen Tagen zum Fischessen, so sehr, daß die Kalender,welche Bildzeichen für die einzelnen Heiligentage verwendeten, an derStelle der Fasttage eben jeweils einen Fisch als Zeichen setzten. Das ist beiden sogenannten ,, Steirischen Mannlkalendern" bekanntlich bis zum heuti-gen Tag so geblieben 17.
Von diesem Quellgebiet aus also können sich so manche Fischdarstel-lungen vor allem auf den Schüsseln und Platten entfaltet haben. Die viel-besprochenen drei gekreuzten Fische, das Fisch- Triquetrum, sie sind dochnicht zuletzt auf Schüsseln angebracht worden, welche für die Fastenspeisenbestimmt waren. Und wo man aus dem Triquetrum ein Quadriquetrumentwickelte, wo man also vier Fische zu einem solchen„, Fischwirbel"zusammenordnete, dort ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß diedamit gekennzeichnete Schüssel eben an die vier Fische des Kalenders,nämlich an die Quatember- Fastenzeiten erinnern sollte 18. Das wäre demDenken der Zeit der Gegenreformation durchaus gemäß gewesen. Das Vor-kommen gerade dieser Schüsseln nur im Kernraum von Oberösterreich, derim 17. Jahrhundert erst spät und mühsam gegenreformiert werden mußte,könnte auf diese Motivierung hinweisen.
Der Großteil der Gegenstände der alten Volkskunst ist stumm. DieBackmodel und die Schlittenköpfe, die Lebzeltenformen und die Brot-stempel, sie sprechen nicht mehr direkt zu uns. Wir müssen ihre Bilder-
15 Moriz Heyne, Das deutsche Nahrungswesen von den ältesten ge-schichtlichen Zeiten bis zum 16. Jahrhundert(= Heyne, Fünf Bücher deutscherHausaltertümer, Bd. II), Leipzig 1901. S. 248 ff.
16 Hans Tietze, Die Denkmale des politischen Bezirkes Horn(= Öster-reichische Kunsttopographie Bd. V), Wien 1911. S. 217 und Abb. 196, 197.
17 Rose Peinlich- Immenburg, Der steirische Mandlkalender. SeineZeichen und Bilder. Graz- Wien 1948. S. 27 f.
18 Balthasar Fischer, Art. Quatember( Lexikon für Theologie undKirche, Bd. 8, Freiburg 1963, Sp. 928 f.).
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