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Wie kann man nur dazu forschen? : Themenpolitik in der Europäischen Ethnologie
Entstehung
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Karin Bürkert

ästhetische Erleben als sinnlicher Genuss 32 sollte kein Gegenstandmeiner Arbeiten sein und ist in unserem Fach bisher auch in keineranderen größeren Untersuchung erforscht worden. Warum scheuenwir als methodisch geschulte Ethnografinnen und Ethnografen vorder Nähe zur Brauchpraxis zurück? Wäre es nicht angebracht, demFeld mit der ansonsten gebotenen Offenheit und Empathie zu begeg-nen? Mit diesen Gedanken versuchte ich zunächst eine Studentin zueiner Masterarbeit im Feld der Fastnacht zu bewegen. Ohne Erfolg.Sie erklärte mir, ihre Familie habe komische Fragen gestellt undüber ihr Thema gelacht, außerdem habe sie ein wenig Angst vor derBegegnung mit den Fastnachtsaktivisten. Sie entschied sich letztlichfür das Modethema Fitness- Tracker.

Das Austarieren von Nähe und Distanz zum Forschungs-objekt ist mit emotionalen Aufwendungen verbunden, die hieroffensichtlich besonders problematisch sind. Was heißt es, Näheaufzubringen zu einem Gegenstand und den dazugehörigen Akteu-ren, deren stereotypischer Habitus dem Stereotyp vom Akademikernicht fremder sein könnte? Wie werden wir und unser Schaffen imFach und außerhalb- von Familie, von den Medien- eingeordnet,wenn wir es trotzdem tun? Zugespitzt gefragt: Wird man als närrischangesehen, wenn man über Narren forscht? 33

Ein Blick in andere Fachcommunitys zeigt, dass dieseBefürchtungen nicht überall wahrgenommen werden. Die WienerKultur- und Sozialanthropologie34 hat jüngst ein studentisches Pro-jekt dem Krampusbrauch im Salzburger Land gewidmet. Wild undSchön" ist der Sammelband betitelt, dessen Autorinnen und Autorensich sehr dicht an die kulturelle Praxis annäherten und unter anderemdie sinnlichen und identitätsstiftenden Praktiken des Krampuslaufsäußerst reflektiert auch in Hinblick auf das Nähe/ Distanz- Verhältniswährend der Feldforschung analysieren.35 Hier ist tatsächlich lesend

32 Vgl. den Beitrag von Kaspar Maase in diesem Band.

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Folklorists take on the tinge of their engagements, which can leave thempolitically compromised or stigmatized by association with the low, local,or ephemeral." Dorothy Noyes: The Social Base of Folklore. In: ReginaF. Bendix, Galit Hasan- Rokem( Hg.): A Companion to Folklore(= Black-well Companions to Anthropology, 15). Malden 2012, S. 13-39, hier S. 15.34 Wohlgemerkt nicht die Europäische Ethnologie.

35 Matthäus Rest, Gertraud Seiser( Hg.): Wild und Schön. Der Krampus imSalzburger Land(= Österreichische Kulturforschung, 21). Wien 2016.