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Wie kann man nur dazu forschen? : Themenpolitik in der Europäischen Ethnologie
Entstehung
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Christine Bischoff/ Cornelia Renggli

insbesondere die implizierte Hierarchisierung von Forschungsthe-men entlang der Aspekte der Bezugnahme auf sozioökonomischeProbleme und der potenziellen Mitwirkung an deren Lösung, mithinihrer Nützlichkeit. 34 Da auch aus zweckfreier Forschung Nützlichesentstehen kann, plädiert er für Werturteilsfreiheit im Sinne MaxWebers, also für Ergebnisoffenheit der Forschung.35

Die implizit mit der Forderung nach Third Mission immermitschwingende Wertungsfrage Was bringt diese und jene thema-tische Forschung?" lastet auf den Kultur- und Sozialwissenschaftenmeist schwerer als etwa auf den Naturwissenschaften, weil sie einemintensiveren gesellschaftlichen Austausch ausgesetzt sind. Ihre For-schungsgegenstände, aber auch ihre Sprache sind stärker auf dasgesellschaftliche Geschehen bezogen und wirken in dieses zurück.36Insbesondere kleine und kleinste Disziplinen, also auch die Volks-kunde/ Europäische Ethnologie, stehen unter Rechtfertigungsdruck.Das lässt sie anfällig werden für aufmerksamkeitsstiftende Phäno-mene- auch Modephänomene. Die regelmäßige Ausrufung immerneuer Turns Linguistic Turn, Spatial Turn, Pictorial Turn, Topogra-phical Turn, Animal Turn etc.- kann als ein Indiz einer gesellschaft-lichen und wissenschaftlichen Wertungskultur gedeutet werden, inder die Fragen danach, welches Wissen, welche Erkenntnisse überwelche Themen und welche Art des Forschens von Bedeutung ist odernicht, hohe Priorität haben.37 Das a priori ist in diesem Zusammen-hang das eigentliche Paradoxon beziehungsweise der Paradigmen-wechsel, da seit der Antike die Frage nach dem Wissen von derFrage nach der Nützlichkeit von Informationen aus systematischenGründen getrennt ist. 38 Konrad Paul Liessmann stellt zur Verdeut-

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34

Ebd., S. 83.

35 Vgl. ebd., S. 85-86.

36 Vgl. Fritz Böhler, Martin Reinhart: Wissenschaft und Wertewandel. In:Christine Bischoff, Karoline Oehme- Jüngling, Walter Leimgruber( Hg.):Methoden der Kulturanthropologie. Bern 2014, S. 539-556, hier

37

S. 544-545.

Zur grundlegenden Auseinandersetzung und Einordnung der Bedeutungder verschiedenen Cultural Turns vgl. Doris Bachmann- Medick: Cultu-ral turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften. Reinbek beiHamburg 2014.

38 Vgl. Konrad Paul Liessmann: Theorie der Unbildung. Die Irrtümer derWissensgesellschaft. Wien 2006, S. 31.