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Wie kann man nur dazu forschen? : Themenpolitik in der Europäischen Ethnologie
Entstehung
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Timo Heimerdinger/ Marion Näser- Lather

Persönlichkeit oder den Spätfolgen möglicherweise traumatisierenderForschungsumgebungen spielen hier eine Rolle. Teilweise entschei-den sich ForscherInnen daher aus Selbstschutz oder aus Bequem-lichkeit für affektiv unproblematische Projekte. Natürlich habenverschiedene Menschen unterschiedliche, zu respektierende Fähigkei-ten des Aushalten- Könnens. Nicht jede oder jeder muss gleich zu oderin Schlachthäusern oder Bestattungsinstituten forschen. Dies darfjedoch nicht zum Ausblenden von Informationen führen, die für dasDurchdringen eines Gegenstandes notwendig sind. Ein Studierenderhielt vor ein paar Jahren ein Referat über Barbara Dudens ,, Geschichteunter der Haut". Er leitete es ein mit der Aussage, nur die harmlosen"Passagen referieren zu wollen, weil er seinen KommilitonInnen die,, ekligen nicht zumuten wolle. Diese Anekdote illustriert die Gefahr,der wir selbst vermutlich auch, vielleicht unbewusst und ungewollt,in einigen Fällen unterliegen: sich mit Dingen nicht zu beschäftigen,weil sie uns zu sehr psychisch belasten könnten, so dass Gebiete oderAspekte, auf die dies zutrifft, untererforscht bleiben. Resilienztrai-ning und Supervision kann daher in unserem Fach generell notwendigund sinnvoll sein, nicht nur, wenn potentiell aversive Gegenständeerforscht werden sollen, sondern in Bezug auf alle Forschungsberei-che, um den optimalen Einsatz des eigenen Körpers und der eige-nen Psyche als Rechercheinstrument zu ermöglichen. Die Frage derGefahr, das heißt inwieweit wir unser Leben für unsere Forschungaufs Spiel setzen möchten oder würden, ist eine andere, die natürlichjeder im Rahmen seiner eigenen Fähigkeiten in einer unter anderemauch ethischen Kosten- Nutzen- Abwägung selbst beantworten muss.

Moralische Verwerflichkeit

Aber nicht nur das Unästhetische, potentiell Angst oder Ekel Auslö-sende, Gefährliche oder emotional Aufwühlende gilt zuweilen als nichtaushaltbar, sondern auch das, was der eigenen politischen Haltungwiderspricht. Davon zeugt zum einen der Umgang mit Teilen der eige-nen Fachgeschichte, etwa, wenn im Nationalsozialismus verortete Pro-jekte nur zögerlich aufgearbeitet und ausgewertet werden, obwohl maneiniges des vorhandenen Materials gewiss einer gewinnbringendenRelecture unterziehen könnte- siehe etwa den Atlas der deutschenVolkskunde, über den Friedemann Schmoll in einem ZEIT- Interview