Friedrich Ehn
Das Motorrad im Alltag von 1945 bis 1955
In Österreich war das Motorrad in den Zwischenkriegsjahren ebenso wiein den frühen Nachkriegsjahren ein allgemein akzeptiertes und üblichesVerkehrs- und Transportmittel. Anders als heute, wo das Motorradfahrenals schicke Freizeitbeschäftigung der Jungen und Sportlichen gilt, wardas Motorrad ein allgemeines und von breitesten Bevölkerungsschichtengenutztes Vehikel. So fuhren Landpfarrer und Hebamme, Arbeiter undGeschäftsmann genauso Motorrad wie der Familienvater mit seinenFamilienmitgliedern. Das Motorrad und die Benutzung desselben wargesellschaftlich akzeptiert und essenzieller Bestandteil des Alltags derBevölkerung. Aus dieser breiten Nutzungspalette heraus erklärten sichauch die unterschiedlichsten Erscheinungsformen der Maschinen.
Die Motorisierung begann mit den Leichtmotorrädern mit einem Hub-raum von 60 bis 98 cm³, für die Steuerfreiheit und ein erleichterterZugang zur Fahrerlaubnis ab dem 16. Lebensjahr galt. Die Steuerfreiheitwurde in Österreich während der Zeit des Anschlusses an Deutschlandbis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auch für Motorräder miteinem Hubraum bis 200 cm³ gewährt, diese Regelung war in Deutsch-land schon seit den frühen Dreißigerjahren üblich. Daher wurden auchdie Exportmodelle der Steyr- Daimler- Puch AG an Stelle der serienmäßi-gen 250 cm³ Motoren für Deutschland mit 200 cm³ ausgeliefert.Die Motorräder bis 500 cm³ galten als Mittelklassemaschinen, darüberals schwere Motorräder. Diese Modelle wurden üblicherweise auch mitBeiwagen betrieben und hatten neben dem Personentransport auch Fracht-aufgaben zu erledigen. Österreich hatte in den Zwischenkriegsjahren undebenso in den frühen Nachkriegsjahren eine starke und eigenständigeBeiwagenproduktion, die zu den bekanntesten weltweit zählte. Sowurden beispielsweise Beiwagen der Wiener Firma Felber durch dieberühmte britische Luxus Motorradmarke Brough Superior als Lizenz-fertigung in Großbritannien angeboten. Beiwagenmodelle wurden abernicht nur von Privatpersonen benutzt. Sie hatten auch großen Zuspruchvon den Behörden. So fuhr beispielsweise die Gendarmerie von 1934 bis1939 die schweren Vierzylindermodelle von Puch, das Modell Puch 800.
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