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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
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Thomas Northoff

Alltage in Graffiti

Wort- Graffiti sowie einfache Zeichen und Symbole inoffizieller Art umge-ben uns fast ubiquitär im öffentlichen Raum, in dem wir privat oder beruf-lich einen mehr oder weniger großen Teil unseres Alltags verbringen. Amelaboriertesten und oft motiviert durch ein gewisses Sendungsbewusstseinbetreiben und beachten jene jungen Erwachsenen die inoffizielle Sprache anden Wänden, denen Nachdenklichkeit, Neugier und Beobachtungsfreude inhohem Maße zugeschrieben wird: die Studierenden. Sie sind es, die im Ge-gensatz zur Mehrheit komplexere Botschaften insbesondere solche vonallgemeinem Belang-:- zu verfassen instande sind. Die sogenannte Volkssee-le wirft ihnen dies aber vor, spricht von Schmierern, die lieber studierensollen, statt auf so eine Weise zu Problemen Stellung zu nehmen, von denenviele Menschen nichts wissen und nicht belästigt werden wollen, ungeachtetdessen, ob die Inhalte der Äußerungen einer objektiven Überprüfung stand-halten könnten oder nicht. Wort- Graffiti stören den gedanken- und reibungs-losen Vollzug des Alltags.

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Hierzu ist die Beobachtung interessant, dass an vielen Plätzen ÖsterreichsWort- Graffiti, die rechtsextreme Inhalte vermitteln, seit den 80er Jahren desvorigen Jahrhunderts insgesamt nicht nur stark zugenommen haben,sondern durchschnittlich länger ungelöscht bleiben als solche mit linken,sozialen oder auf Umwelt bezogenen Aussagen oder Fragen.

Die Graffiti der extremen Rechten markieren deutlich das kontinuierlich-alltägliche Vorhandensein einer Denkungsart, die mit Kriegsende 1945keineswegs verschwunden war. Wurden 1945 noch einige Nazis gezwun-gen, übriggebliebene Durchhalte- Parolen aus der Hitlerzeit von denWänden zu waschen, die ja auf einmal zur inoffiziellen Sprache an denWänden geworden waren, erschienen bereits gegen Ende der 50er Jahreauffällig viele Hakenkreuze an den vielen Bauplanken und im übrigenStadtbild als Lebenszeichen nazistischen Gedakenguts- der SchriftstellerHans Weigel schob sie einfach den Kommunisten in die Schuhe.'

Franz Krahberger: Käthe Dorsch ohrfeigt Hans Weigel. In: E- journal,http://ejournal.thing.at( Zugriff: 10. 3. 2004).

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