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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
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Dieter Kramer

Lokaler Alltag und globale ProblemeDie Wissenschaft von der Kultur des Alltags der Vielenund die Politik

Einleitung

Immer ist Kulturforschung eingebunden in die Kraftfelder von Politikund Gesellschaft, einbezogen in die Grabenkämpfe um kulturelle Hege-monie oder Definitionsmacht, hat sie Teil an Symbolproduktion undIdentitätsmanagement- ganz gleich, ob sie es merkt oder nicht, ob sie eswill oder sich außen vor zu halten versucht. Jeder Wissenschaftler istselbst Teil jener Konstruktionen, die von der Wissenschaft analysiertwerden und insofern immer auch Akteur im Geschehen. Gleichzeitig istjeder Kritik ein Gegenbild immanent, ob formuliert oder nicht. Die Fel-der werden freilich neu vermessen, und die traditionellen Konfliktlinienverfransen sich.

Zu Zeiten, wo Globalisierung via Kalaschnikow¹ und Globalisierung viaMarkt miteinander konkurrieren, ist die Beschäftigung mit dem Alltagder Vielen, mit den Kräften des Wünschens und Begehrens im Alltag derBevölkerung nicht nur harmlos. In vielen Fällen ist schon die ausführli-che Beobachtung des Alltagslebens gesellschaftlich und politisch rele-vant- man denke an den sorgfältigen Umgang mit empirischen Datennicht nur in Diktaturen oder an die Geheimniskrämerei der Marktfor-scher und Marketingabteilungen. Universitäre Wissenschaft ist imPrinzip frei und keinen opportunistischen Restriktionen unterworfen, siekann also auch unkonventionell fragen und unbequeme Antworten veröf-fentlichen.

1 Ryszard Kapuscinski: Afrikanisches Fieber. Frankfurt am Main 1999, S. 286.

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