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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
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Gerlinde Malli

Alltagsbefindlichkeiten

Über die Auswirkungen der politischen Verformungenauf das ganz alltägliche Leben

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Einleitung

, Wenn eines an den Äußerungen österreichischer Intellektueller auffälligist, so ist es die eigentümliche Gespaltenheit, mit der sie einerseits demStaat, von dem sie abhängen, die Zunge zeigen, um ihn andererseits in derplutokratischen Marktgesellschaft der USA moralisch anklagend einzufor-dern." 1

Diesem Zitat des Grazer Soziologen Helmut Kuzmics ist einiges abzuge-winnen, wenn man bedenkt, dass bereits in den 68ern von einer progres-siven Linken die Parole ,, Weniger Staat, mehr Eigenverantwortung" aus-gerufen wurde. Eine Forderung, die Menschen aus bürokratischen Fes-seln und staatlicher Bevormundung befreien will. Eine Forderung, dieheute aktueller denn je zu sein scheint, allerdings eine paradoxe Wen-dung nimmt: Der Sozialstaat, so heißt es, sei zu einer Bedrohung derFreiheit und zu einer Belastung der Funktionsfähigkeit des Wirtschafts-systems geworden. Der SOZIALETATISMUS sei am Ende.³ Eine Forderungauch, die gegenwärtig als Rechtfertigung des schwächer werdenden Sozial-staates benutzt wird, um sich sukzessive seines eingebauten Fürsorge-prinzips zu entledigen.

Derartige Argumente werden gestützt durch historische Arbeiten, die da-von sprechen, dass es konservative und autoritäre Regierungen waren,die umfassende Sozialprogramme eingeführt haben. Absicht dabei war,

' Helmut Kuszmics: Autorität und österreichischer National" charakter. Kontinuitätund Wandel von der Monarchie bis zur Gegenwart. In: Max Preglau u. Rudolf Richter( Hg.): Postmodernes Österreich? Konturen des Wandels in Wirtschaft, Gesellschaft,Politik und Kultur( Schriftenreihe des Zentrums für angewandte Politikforschung,Bd. 15). Wien 1998, S. 23-44, hier S. 37.

2 Elisabeth Katschnig- Fasch( Hg.): Das ganz alltägliche Elend. Begegnungen im Schat-ten des Neoliberalismus. Wien 2003, S. 118.

3 Ralf Dahrendorf: Der moderne soziale Konflikt. Essays zur Politik der Freiheit.Stuttgart 1992.

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