Burkhard Pöttler
Alltagsdinge
Umgang mit Sachen seit 1945
Einleitung
Umgang mit Sachen. Zur Kulturgeschichte des Dinggebrauchs, so derTitel der viel zitierten DGV- Tagung in Regensburg 1981, sollte, wieHermann Bausinger in seiner Einleitung schreibt, ein Signal setzen, dassdie Zweiteilung des Faches in so genannte geistige Volkskunde und sogenannte Sachvolkskunde überwunden ist.' Damit verbunden war dieForderung, Dinge in einem größeren Rahmen zu sehen und die menschli-che Praxis im Umgang mit Dingen zu analysieren.
Schon die Wahl des damaligen Titels weist auf die Polysemie und defini-torische Unschärfe der Begriffe Ding, Gegenstand, Objekt und Sache hin,die alle sowohl für Materielles als auch für Immaterielles stehen können.Zugleich tritt auch eine bestimmte Austauschbarkeit dieser Begriffehervor. So hat sich die 1972 von Hans Linde in seinem Buch Sachdominanzin Sozialstrukturen vorgeschlagene Definition von DING als Überbegrifffür GEMACHTE SACHEN einerseits und NATURGEGEBENE Realien andererseits²im volkskundlichen Diskurs nicht durchsetzen können. Ob DING-BEDEUTSAMKEIT, DINGGEBRAUCH, 13 DINGE, GEERBTE DINGE, SACHKULTUR,SACHUNIVERSUM bis zum bereits eingangs zitierten UMGANG MIT SACHEN,der im Untertitel mit DINGGEBRAUCH kombiniert wird: die weitgehendeAustauschbarkeit der Begriffe Ding und Sache bleibt bestehen. Auf denEntstehungszusammenhang verweist ARTEFAKT, das somit weitgehend derBedeutung von SACHE bei Linde entspricht, während GÜTER den kommer-ziellen Aspekt mitdenken lässt.
Diese definitorische Unschärfe ist freilich nicht nur ein Problem der deut-
¹ Hermann Bausinger: Eröffnung des Kongresses und Begrüßung. In: Konrad Köstlinu. Hermann Bausinger( Hg.): Umgang mit Sachen. Zur Kulturgeschichte des Ding-gebrauchs. 23. Deutscher Volkskunde- Kongreẞ in Regensburg vom 6. bis 11. Oktober1981( Regensburger Schriften zur Volkskunde, Bd. 1). Regensburg 1983, S. 7-10,hier S. 9.
2 Hans Linde: Sachdominanz in Sozialstrukturen( Gesellschaft und Wissenschaft,Bd. 4). Tübingen 1972, S. 12.
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