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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
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Herlinde Menardi

Tiroler Alltage in den 50er Jahren

In die 50er Jahre fällt meine Kindheit, die Sommerfrische in Bruneckund auf dem Bauernhof in Olang, die Volkschulzeit, der Wechsel insGymnasium. Ich kann also manches aus dieser Zeit aus eigenen Erinne-rungen berichten. Diese Erinnerungen sind auch heute noch so stark, weilmeine Mutter von 1955 bis 1959 die wichtigen Ereignisse filmte. Wirhaben diese Filme als Kinder immer und immer wieder angesehen undhaben das auch mit den Nichten und Neffen wieder getan, die diese Film-vorführungen liebten.

Ich möchte meine Streiflichter auf die 50er Jahre in Tirol in einenlokalgeschichtlichen Rahmen stellen. Was war in Tirol los? Was hat dieMenschen in dieser Zeit bewegt?

Der Alltag war auch bestimmt von den politischen Gegebenheiten. Dasfranzösisch besetzte Bundesland Tirol hatte mit Emil Bèthouart, langjäh-riger Hochkommissar in Österreich, einen Freund an der Spitze, der dasLand und seine Menschen mochte. Die Besatzung, die sich stets im Hin-tergrund hielt, wurde in den frühen 50er Jahren auf ein symbolischesKontingent reduziert. Umso wichtiger waren die kulturellen Akzente, dievom unabhängigen französischen Kulturinstitut unter Maurice Bessetgesetzt wurden. Hier trafen sich Kulturschaffende aus aller HerrenLänder. Zahlreiche Kontakte wurden geknüpft; mit Stipendien und vorallem mit vielen Anlaufadressen in Frankreich beziehungsweise Pariswurden Tiroler Künstlern, Musikern und Literaten erste Fahrten nachFrankreich ermöglicht. Für die jungen Menschen in Innsbruck wichtigerals das bekannte Forum Alpbach waren die internationalenHochschulwochen im Bundessportheim in Sankt Christoph, wo man zumSchifahren und zu Diskussionen über internationale Strömungen und Stil-richtungen zusammenkam und ein Netz von Beziehungen aufbauen konnte.Ausstellungen, Vorträge und Konzerte sowie Gastspiele wurden voneinem breiten Pub- likum besucht. Für das kulturelle Klima in Tirol wa-ren auch die Jugendkulturwochen von großer Bedeutung. Hier tauchendie Namen heute etablierter Künstler, Musiker und Literaten erstmalsauf: Paul Flora, Gerhild Diesner, Wilfried Kirschl, der Südtiroler Karl

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