Alltagsdinge. Umgang mit Sachen seit 1945
Wohnumwelt werden also auch auf die Technik übertragen. Wer beiMöbeln auf Qualität Wert legt, wird dies auch bei elektrischen Gerätentun.
Konnten hier auch nur einige Aspekte des Umgangs mit Alltagsdingenangerissen werden, so besteht ein wesentlicher Aspekt doch in der in denletzten fünf bis sechs Jahrzehnten rasanten Zunahme der in einemHaushalt vorhandenen Gegenstände. Auch wenn die Zahl 10.00044 alsDurchschnittswert für deutsche Haushalte nur ein sehr grober Richtwertsein kann, so steht sie doch für die enorme Fülle der Objektausstattung.Dass diese Fülle auch zur Last werden kann, zeigt nicht nur das Beispieleiner Reisenden, die sich plötzlich von fast allen ihrer zahlreichenSouvenirs trennte, sondern besonders die SIMPLIFY YOUR LIFE- Welle, dienicht nur, aber auch die Trennung von unnötigen materiellen Gütern zumZiel hat und zur Zeit die Medien überschwemmt.
Diese Trennung, aber auch der Ansatz, dass Gebrauchsgüter letztlich auchdem Verbrauch unterliegen, führt schließlich zum Problem der Entsor-gung. Gerade in dieser Hinsicht zeigt sich der Wandel besonders deut-lich. War nach dem Krieg praktisch kein Müll vorhanden, da bis zumBauschutt alles wieder verwertet wurde, entstand im Zuge des Wirtschafts-wunders ein lockereres Verhältnis zu den materiellen Gütern, bis dasWEGWERFPRINZIP überhand nahm.45 Auch wenn es seit den 70er Jahren inder Folge der Ölkrise und im Zusammenhang mit der Ökologiebewegungteilweise ein Umdenken gibt, werden im Bereich der Massenproduktionalte Dinge immer schneller von neuen, vermeintlich befriedigenderenübertroffen, neue„ Errungenschaften“, wie etwa der Liegestuhl undandere Accessoires für Handys, kommen hinzu. Die Lebensdauer vonAlltagsdingen wird dabei immer kürzer und die Kosten für eine Repara-tur übersteigen oft die einer Neuanschaffung. Eine gewisse Hoffnung gibt,dass der Aspekt der Nachhaltigkeit langsam wieder an Bedeutunggewinnt und Reparaturen wieder salonfähig werden, da die Entsorgungs-
44 Gudrun Scholz: Von der 5- Minuten- Suppenterrine bis zur Schaumgummimatratze.Über die Beliebigkeit des Ortes. In: Dies.: Die Macht der Gegenstände. Berlin 1989,S. 71-101, hier S. 71, zit. n. Rolf Haubl: Be- dingte Emotionen. Über identitätsstiftendeObjekt- Beziehungen. In: Hans Albrecht Hartmann u. Rolf Haubl( Hg.): Von Dingenund Menschen. Funktion und Bedeutung materieller Kultur. Wiesbaden 2000, S. 15;Dagmar Steffen( Hg.): Welche Dinge braucht der Mensch? Hintergründe, Folgen undPerspektiven der heutigen Alltagskultur. Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung.Giessen 1995, S. 9.
45 Haubl 2000( wie Anm. 44), S. 19f.
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