Burkhard Pöttler
Martin R. Schärer unterscheidet im Rahmen traditioneller Volkskulturzwischen auf Dauer angelegten Kulturobjekten mit ästhetischem Wertund Alltagsgegenständen, die auf Gebrauch und damit auch Verbrauchausgerichtet sind. Er konstatiert für die moderne Massenproduktion imVergleich zur traditionellen Volkskultur eine Verschiebung, und zwar eineWertminderung für Alltagsgegenstände und eine oft übersteigerte Wert-zunahme für das Einmalige, Außergewöhnliche.38
Trägt das maschinell beziehungsweise industriell erzeugte Massenpro-dukt einerseits den Anspruch der Modernität in sich, so ist es doch inanderen Bereichen mit dem Stigma des Billigen behaftet. Man mussdabei nicht an die umfangreiche Debatte um die Frage ,, Was ist Kitsch?"denken, sondern findet diese Problematik bei den meisten Alltagsdingen.Bis in die Gegenwart wird der serielle Charakter von Objekten alsGegenpol zur Wertschätzung des Individuellen und des Unikats kodiert.Auch Objekte in Designläden sind meist industriell gefertigt, doch nachWolfgang Ruppert„ durch Entwerfername und eine besondere ästhe-tisierte Erscheinungsweise dem Individualitätsanspruch, dem Kult desBesonderen und der damit einhergehenden Distinktion verbunden“.39Selbst weniger exklusive Massenprodukte können durch die Marke einewesentliche Aufwertung erfahren. Die Markengläubigkeit beziehungs-weise-hörigkeit und die Markentreue sind Faktoren, die von der Indu-strie und Werbewirtschaft gekonnt genützt werden.
Bei unserer Untersuchung zeigte sich die Bedeutung der Marke sehr starkim Bereich der Haushaltsgeräte, besonders bei den Waschmaschinen, woWert auf QUALITÄTSMARKEN gelegt wurde und auch heute noch betont wird,dass man die erste Waschmaschine 30 Jahre lang hatte. Dieser Qualitäts-anspruch geht durchaus einher mit dem bei der Möbelausstattung, woauch heute( wieder) ein Trend zur handwerklichen Arbeit anzutreffen ist.Dies betrifft vor allem die„ Kernregionen“ von Wohnzimmer und Küche,die beim Handwerker in Auftrag gegeben, fallweise bei entsprechendenKenntnissen aber auch selbst angefertigt werden.
Der Trend zur handwerklichen Produktion zeigt sich jedoch auch amHobby-, Heimwerker- und DO- IT- YOURSELF- Sektor, wo zum Beispiel dieoft wesentliche Mitarbeit bei der Errichtung beziehungsweise Ausstat-
38 Martin R. Schärer: Sammeln- Bearbeiten- Ausstellen. Vom musealen Umgang mitObjekten der Volkskultur. In: Paul Hugger( Hg.): Handbuch der Schweizerischen Volks-kultur. Zürich 1992, Bd. 1, S. 37-56, hier S. 38.
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Ruppert 1993( wie Anm. 4), S. 16.
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