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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
Entstehung
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Alltagsdinge. Umgang mit Sachen seit 1945

zur modernen Küche gehörige Geräteausstattung- als technische Hilfefür die Hausfrau zur Erleichterung der Arbeit und nicht so sehr zur Zeit-ersparnis gesehen- setzt sich teilweise wesentlich langsamer durch als esdie zeitgenössische Werbung, aber auch spätere Darstellungen glaubenmachen wollen. Trotz der technischen Aufrüstung der Küche und ihrerFunktion als CHIFFRE DER MODERNITÄT bleibt die geschlechtsspezifischeArbeitsteilung jedoch erhalten.14

Bezüglich der Geräteausstattung im Haushalt lassen sich auch für unserUntersuchungsgebiet große Unterschiede feststellen. Einerseits hältsogar die Waschmaschine in vielen Fällen- besonders bei landwirtschaft-lich orientierten Haushalten um Spital- erst in den 70er Jahren Einzug,wodurch die Phase der halbautomatischen Waschmaschinen übersprun-gen wird. Als Argument für die Einführung diente dabei oft diePrivatzimmervermietung, die mit der Zunahme des Fremdenverkehrseinen wichtigen Nebenverdienst darstellte und zugleich das Arbeitspensumder Frauen weiter erhöhte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren häufig dieArgumente oder die Durchsetzungskraft- für die Anschaffung vonlandwirtschaftlichen Maschinen aber auch von Fahrzeugen die stärkeren.Andererseits ist ebenfalls in den 70er Jahren bei auffällig vielenWindischgarstener Haushalten bereits ein elektrischer Wäschetrocknervorhanden, was in Interviews durchgehend mit dem langen Winter unddem damit verbundenen Problem beim Trocknen der Wäsche im Hausbegründet wird. Die Vermutung, dass hier die märktischen Haushalteaufgrund baulicher Faktoren aber möglicherweise auch aufgrund einerhöheren Aufgeschlossenheit technischen Neuerungen gegenüber deutlichfrüher derartige Geräte anschafften, liegt nahe. Dennoch ist dieses Fak-tum äußerst bemerkenswert, da in einer Statistik über Haushaltstechnikin Deutschland Wäschetrockner für 1978 noch gar nicht und für 1983erst mit 10 Prozent Verbreitung erfasst sind. 15

Auffällig ist auch die Feststellung der befragten Frauen, dass sie Wertauf Markengeräte legten und dies nicht nur in einem allgemein,, markenbewussten Milieu", sondern auch dort, wo durchaus traditionel-le Vorstellungen und ein eher sparsames Konsumverhalten vorherrschen.Hier ist der Begriff ,, Markengerät eindeutig stärker mit Qualität konnotiertals mit Modernität oder Prestige.

14 Ebd., S. 129.

15 Leonhard Hennen: Technisierung des Alltags. Ein handlungstheoretischer Beitragzur Theorie technischer Vergesellschaftung( Studien zur Sozialwissenschaft, Bd. 104).Opladen 1992, S. 60.

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