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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
Entstehung
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Tiroler Alltage in den 50er- Jahren

Klappbetten, die breitseitig an die Wand kamen, oben ein Bord hattenund bei Tag hinter einem Vorhang versteckt waren, waren der letzte Schreiim Jugendzimmer. So ein Klappbett mit Vorhang hatten auch wir imMädchenzimmer, nachdem wir das Kinderzimmer für die nachkommen-den Geschwister frei machten. Es tut immer noch seinen Dienst im Kin-derzimmer meiner Neffen. Auch ein Tisch oder ein kleiner Schreibtischzum Aufgaben machen- was man zuvor in der Küche oder im Esszimmererledigte- gehörte jetzt zur Ausstattung der Jugendzimmer.

Wer kein oder zuwenig Geld zur Anschaffung wenigstens einiger Möbel-stücke hatte, der modernisierte die alten. Betthäupter wurden ebensoabgeschnitten wie hohe Füße- so entstand eine Art Liege. Mit einemBrett, das man mit Lederbändern oder einem Drahtgestell an der Wandbefestigte, erhielt man ein modernes offenes Regal. Modern war auch dasUmwickeln und Bündeln von einfachen Reagenzgläsern als Wandvasen.Diese mit Bast umwickelten Reagenzgläser waren beliebte Geschenke,die wir in der Schule zum Muttertag anfertigten.

All diese Neuerungen ließen die Wohnung der frühen 50er Jahre baldrecht lebendig aussehen.

Die ältere Generation war den Neuerungen des Möbeldesigns wenig auf-geschlossen. Einige Geschäfte hatten deshalb auch Möbel im Stil der 40erJahre im Angebot, wie es zum Beispiel eine Anzeige eines Meraner Möbel-hauses im Reimmichlkalender deutlich macht. Erst allmählich gewöhnteman sich an Neues.

In der Erinnerung ist die Farbgebung der 50er Jahre mit zarten Pastell-tönen verbunden, vielleicht weil uns immer wieder die Lilienporzellan-Sammeltassen, Melitta- Filter et cetera einfallen. In grau- weiß kariertenVasen steckte als Blumenschmuck ein einzelner Zweig. Ich erinnere michauch noch an die Chianti- Flaschen, die als Kerzenständer benützt oderauch zu Tischlampen umgearbeitet wurden.

Der Nierentisch der 50er Jahre war unglaublich im Design, aber nichtsehr praktisch. Die Beine steckten in Messingschuhen, Messingbänderliefen um die oft mit Mosaiksteinchen besetzte Platte. AbenteuerlicheFormen hatten die Lampen im Alltagsdesign der 50er. Bunte Hütchen ausStoff oder Papier steckten auf in jede Richtung biegbaren Spiralen, dieLampe im Elternschlafzimmer hatte eine Reihe von Messingarmen, diedie Glühbirnen hielten.

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