Herlinde Menardi
Wohnen in den 50er Jahren
Das Interesse in der Nachkriegszeit galt in der Stadt in erster Linie demEssen. In den 50er Jahren wurden die Lebensmittelrationen aufgehoben.Der Normalisierung bei den Lebensmitteln folgten neue Bedürfnisse undWünsche wie zum Beispiel beim Wohnen. Dazu gehörte zu allererst einePolstergarnitur oder zumindest ein Sofa und ein Polsterstuhl fürsEsszimmer. Zu Beginn der 50er Jahre wurden die ersten Neubautenbezogen. Meine Tante zog nach ihrer Hochzeit mit einem Architekten ineine Neubauwohnung und hier erinnere ich mich dann auch an einigeMöbel im Stil der 50er Jahre: Sessel, Sofa, darüber ein Bücherregal,Couchtisch und stummer Diener, Stehlampe; Salz und Pfeffer in Korb-behältern mit Bambusstil, Brezenständer, deren Griffe mit farbiger Plastik-schnur umwickelt waren et cetera. Unsere Wohnung dagegen, oder auchdie meiner Großeltern, blieb von der Mode der 50er unberührt, nur beiGeschirr und Vasen ging man mit der Zeit. Neben den Blaurand- Tellerngab es nun auch pastellfarbenes Lilienporzellan. Den Bauernhof berührtedie Wohnkultur der 50er Jahre nicht. Auch Elektroherd und Kühlschrankhielten auf dem Land erst viel später Einzug, ebenso Bad und Spülklo-
sett.
morgen; ganz allmäh-
Der Wandel beim Wohnen ging nicht von heute auflich wurde das Alte gegen das Neue ausgetauscht.Der Kauf eines Autos war für viele Familien in der Stadt ein heißerWunsch. Nachgereiht waren oft Kühlschrank, Elektroherd, Staubsaugerund Waschmaschine. Letztere löste in Innsbruck das blühende Haus-gewerbe der Wäscherinnen aus dem Sellraintal ab, das leider auch kaumdokumentiert ist. Wie staunten wir über unsere erste Waschmaschine( 1958), eine Constructa- Gewerbemaschine, die trotz gemauerten Sockelsbeim Schleudergang den Raum zum Erzittern brachte.
Die Linde Kaffee- Werbung zum Beispiel im Reimmichl- Kalender machtdeutlich, wie verbreitet damals noch der Sparherd war. Das Familienle-ben spielte sich zu einem guten Teil in der Küche ab, in die manch neuesGerät Einzug hielt, wie der Dampfkochtopf, die Rührmaschine oder derMixer, mit diesem für uns auch ein neues Getränk, die Bananenmilch.In den Möbelhäusern waren nun auch Radio- und Blumentische, derenPlatten aus bemalten Keramikfliesen bestanden, im Angebot, und derCouchtisch auf niedrigen Beinen wurde modern. Neue Radioapparate,auch schon mit einem Plattenspieler kombiniert oder Plattenspieler imhandlichen Koffer ergänzten die Möbel im Esszimmer.
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